Durchführung desselben 1849—1854.
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und österreichische Geschichte bilden eine Ausnahme von der wesentlich all
gemein zu haltenden Auffassung des Lehr-Objectes.”
„Fruchtbringendes Studium der Metaphysik und Moral-Philosophie kann
erst von einem gereifteren Alter und mehrseitiger Vorbereitung unter den Begün
stigungen der Universitäts-Freiheit erwartet werden; das Gymnasium soll auch
in seiner obersten Classe nicht über empirische Psychologie und formelle
Logik hinausgehen.”
„Die Disciplinar-Ordnung hat die Aufgabe des Gymnasiums wesent
lich darin zu suchen, durch Unterricht zu erziehen; den Schülern der beiden
obersten Classen kömmt diessfalls keinerlei exceptionelle Stellung zu.”
„Den Abschluss des Gymnasial-Curses bildet die Maturitäts-Prüfung,
deren Vorzeichnung zugleich die einzige Controtle des Staates über das Privat-
Studium in den Gymnasial-Gegenständen bildet.”
Dem Organisation-Entwürfe gaben seine Verfasser aber auch eine Beihe
der trefflichsten Instructionen hei, welche fast das gesammte Gebiet der
Gymnasial-Pädagogik erschöpfen.
Die Energie, womit dieser Plan in das Leben hinübergeführt wurde, bildet
das hervorragendste Verdienst Thun’s, welcher sich diesem Zweige des öffent
lichen Unterrichts mit Vorliebe zuwendete. In demselben entfaltete sich auch
die fruchtbringendste Wirksamkeit der Landes-Schulbehörden, und eine Beihe
vorzüglicher Gymnasial-Inspectoren trug wesentlich dazu bei, die gewünschten
Erfolge zu erzielen.
Die philosophischen Obligatcurse an Universitäten, Lyceen und philoso
phischen Lehranstalten verschmolzen schon im Jahre 1850 vollständig mit den
Gymnasien. Aber gleichzeitig entstanden siebente und achte Classen auch an
vielen anderen dergleichen Schulen. Sowohl zu diesem Behufe als zur Dotation
der nexren Anstalten mit den jetzt noch viel nothwendigeren Lehrmitteln brach
ten Gemeinden, Corporationen und Einzelne wetteifernd nicht geringe Opfer.
Sofort wurde an der Wiener Universität ein philologisches Seminar
gegründet und bald zu einem philologisch - historischen erweitert, ein
physikalisches Institut für Lehramts - Candidaten in das Leben gerufen,
Aehnliche Pflanzschulen für künftige Lehrer entstanden zu Prag, Krakau, Lem-
berg, Pavia und Padua. Hebst den systemisirten Stipendien wurden den Ad^
Spiranten des Gymnasial-Lehramts namhafte Unterstützungen bewilligt. Die zur
Leitung jener Seminare berufenen Universitäts-Professoren wirkten auf einen
grossen Kreis strebsamer Zöglinge aus allen Theilen des Beichs erfolgreich ein,
wie es in den Tagen Maria Theresia’s bezüglich der Candidaten des Volksschul-
Lehramts geschehen war, und die Geistesströmung, welche insbesondere von der
Wiener Hochschule ausging, machte die beste Propaganda für Gemeinsam
keit der Bildungs-Interessen aller Nationalitäten des Kaiserstaats. Die Lehr
amts-Prüfungscommissionen waren bald in voller Thätigkeit.
Um die einheitliche Durchführung des neuen Lehrplans sicher zu stellen