MAK

Full text: Bericht über österreichisches Unterrichtswesen, aus Anlass der Weltausstellung 1873, I. Theil: Geschichte, Organisation und Statistik des österreichischen Unterrichtswesens

Durchführung desselben 1849—1854. 
141 
und österreichische Geschichte bilden eine Ausnahme von der wesentlich all 
gemein zu haltenden Auffassung des Lehr-Objectes.” 
„Fruchtbringendes Studium der Metaphysik und Moral-Philosophie kann 
erst von einem gereifteren Alter und mehrseitiger Vorbereitung unter den Begün 
stigungen der Universitäts-Freiheit erwartet werden; das Gymnasium soll auch 
in seiner obersten Classe nicht über empirische Psychologie und formelle 
Logik hinausgehen.” 
„Die Disciplinar-Ordnung hat die Aufgabe des Gymnasiums wesent 
lich darin zu suchen, durch Unterricht zu erziehen; den Schülern der beiden 
obersten Classen kömmt diessfalls keinerlei exceptionelle Stellung zu.” 
„Den Abschluss des Gymnasial-Curses bildet die Maturitäts-Prüfung, 
deren Vorzeichnung zugleich die einzige Controtle des Staates über das Privat- 
Studium in den Gymnasial-Gegenständen bildet.” 
Dem Organisation-Entwürfe gaben seine Verfasser aber auch eine Beihe 
der trefflichsten Instructionen hei, welche fast das gesammte Gebiet der 
Gymnasial-Pädagogik erschöpfen. 
Die Energie, womit dieser Plan in das Leben hinübergeführt wurde, bildet 
das hervorragendste Verdienst Thun’s, welcher sich diesem Zweige des öffent 
lichen Unterrichts mit Vorliebe zuwendete. In demselben entfaltete sich auch 
die fruchtbringendste Wirksamkeit der Landes-Schulbehörden, und eine Beihe 
vorzüglicher Gymnasial-Inspectoren trug wesentlich dazu bei, die gewünschten 
Erfolge zu erzielen. 
Die philosophischen Obligatcurse an Universitäten, Lyceen und philoso 
phischen Lehranstalten verschmolzen schon im Jahre 1850 vollständig mit den 
Gymnasien. Aber gleichzeitig entstanden siebente und achte Classen auch an 
vielen anderen dergleichen Schulen. Sowohl zu diesem Behufe als zur Dotation 
der nexren Anstalten mit den jetzt noch viel nothwendigeren Lehrmitteln brach 
ten Gemeinden, Corporationen und Einzelne wetteifernd nicht geringe Opfer. 
Sofort wurde an der Wiener Universität ein philologisches Seminar 
gegründet und bald zu einem philologisch - historischen erweitert, ein 
physikalisches Institut für Lehramts - Candidaten in das Leben gerufen, 
Aehnliche Pflanzschulen für künftige Lehrer entstanden zu Prag, Krakau, Lem- 
berg, Pavia und Padua. Hebst den systemisirten Stipendien wurden den Ad^ 
Spiranten des Gymnasial-Lehramts namhafte Unterstützungen bewilligt. Die zur 
Leitung jener Seminare berufenen Universitäts-Professoren wirkten auf einen 
grossen Kreis strebsamer Zöglinge aus allen Theilen des Beichs erfolgreich ein, 
wie es in den Tagen Maria Theresia’s bezüglich der Candidaten des Volksschul- 
Lehramts geschehen war, und die Geistesströmung, welche insbesondere von der 
Wiener Hochschule ausging, machte die beste Propaganda für Gemeinsam 
keit der Bildungs-Interessen aller Nationalitäten des Kaiserstaats. Die Lehr 
amts-Prüfungscommissionen waren bald in voller Thätigkeit. 
Um die einheitliche Durchführung des neuen Lehrplans sicher zu stellen
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.