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Full text : Bericht über österreichisches Unterrichtswesen, aus Anlass der Weltausstellung 1873, I. Theil: Geschichte, Organisation und Statistik des österreichischen Unterrichtswesens

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Durchführung  desselben  1849—1854.

und  dem  Lehrstande  seihst  einen  regelmässigen  Gedanken-Austausch  über  seine
Aufgaben,  so  wie  rasche  Kenntnissnahme  und  unparteiische  Würdigung  neuer
Erscheinungen  der  Schul-Literatur  zu  ermöglichen,  wurde  der  mehrmals  angeregte ­
  Plan  einer  „Zeitschrift  für  die  österreichischen  Gymnasien”  durch
Bonitz  in  umfassendster  Weise  verwirklicht.
Auf  den  Religions-Unterricht  erstreckte  sich  der  Organisations-Entwurf
nicht;  das  Ministerium  trat  über  denselben  in  Verhandlungen  mit  dem  Episcopate
  und  Hess  ihn  dann  in  jedem  Sprengel  so  einführen,  wie  der  betreffende
Bischof  gewünscht  hatte.
Die  bisherigen  Schulbücher  waren  durch  die  neue  Einrichtung  mit  einem
Male  beseitigt;  der  Episcopat  verwarf  auch  die  für  den  Religions-Unterricht  in
Uebung  befindlichen.  So  wie  derselbe  meistens  Bücher  vorschlug,  welche  aus
nicht-österreichischen  Pressen  hervorgegangen  waren,  musste  man  auch  im  Allgemeinen ­
  vorerst  nach  solchen  greifen.  Sofort  wurde  aber  auf  Verfassung  zweckmässiger ­
  Werke  in  Oesterreich  Einfluss  genommen  und  zur  Erleichterung  das  im
Jahre  1807  geschaffene  Monopol  des  Schulbücher-Verlags  für  Gymnasial  -  Lehrbücher ­
  aufgehoben.
Endlich  wurde  die  zur  Förderung  der  Gymnasial-Reform  unentbehrHche
Schul-Statistik  schon  1851  gleichzeitig  von  der  Gymnasial-Zeitschrift  und
dem  statistischen  Bureau  energisch  und  eingehend  in  Angriff  genommen.
Roch  waren  die  Schwierigkeiten  der  Uebergangs-Periode  nicht  überwunden,
als  Exner  ein  Opfer  übermässiger  Anstrengungen  wurde  (21.  Juni  1853). J )
Zunächst  fuhr  das  Ministerium  fort,  in  zahlreichen  Verordnungen  den  Organisations-Entwurf ­
  conscquent  weiter  zu  bilden,  und  am  9.  Deeember  1854  wurde
die  neue  Gymnasial-Einrichtung  definitiv  genehmigt.  Hieran  schloss  sich  die
Systemisirung  des  Lehrer-  und  Gebührenstandes  der  Staats-Gymnasien  (mit  den
Gehaltsstufen  von  1260  fl.  und  1050  fl.  in  Wien,  1050  fl.  und  945  fl.  an  Gymnasien ­
  I.,  745  fl.  und  840  fl.  an  solchen  II.,  840  fl.  und  735  fl.  an  jenen
III.  Classe,  Decennal-Zulagen  von  210  fl.  und  105  fl.  ausser  Wien,  einem  kleinen
Quartiergelds-Boitrage  in  Wien,  Triest,  Pisek  und  Czernowitz,  315  fl.  und  210  fl.
Eunctionszulagcn  für  die  Directorcn)  und  das  definitive  Gesetz  über  die  Prüfung ­
  der  Lehramts-Candidaten.
Vom  Anfang  herein  fehlte  es  aber  der  Gymnasial-Reform  auch  nicht  an
heftigen  Gegnern;  ein  namhafter  Theil  des  Klerus  (in  Ungarn  selbst  des  evangelischen), ­
  der  Aristokratie  und  des  höheren  Beamtenstandes  traf  in  dieser
Richtung  mit  den  Vertretern  der  extrem-nationalen  Parteien  zusammen.  Klagen
über  Umsturz  alles  Bestandenen,  Unzweckmässigkeit  der  Fachlehrer,  Ueberbürdung
der  Schüler,  Vernachlässigung  dos  Religions-Unterrichts,  methodische  Ausländerei
und  systematische  Germanisirungssucht,  Mangelhaftigkeit  der  Leistungen  im

1)  Sein  Nachfolger  wurde  (1855—1870)  .1.  (R.  v.)  Kleemann,  welcher  schon  geraume  Zeit
an  Exner’s  Seite  gestanden  war.
            
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