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Zahlreiche Neugründungen von Gymnasien.
ungeachtet die materielle Richtung der Zeit vorzugsweise den Zudrang zu den
Realschulen begünstigte 8 ). In Beziehung auf Anstalten und Schüler leistete
die Institution der Real - Gymnasien der Verbreitung des Gymnasialwesens
einen wesentlichen Vorschub 9 ), zumal die Zahl derjenigen, welche bloss die
Unter-Classen einer Anstalt besuchen und nach der UV. Classe in das prak
tische Loben übertreten wollen, namentlich in den grösseren Städten ausser
ordentlich zunimmt.
Arnau (Böhmen), Walachisch-Mezefic und Trebitseh (Mähren), Bielitz (Schlesien), Zloezow (Galizien)
Radautz (Bukowina), die Staats-Real- und Obergymnasien in Wien (IX. Bezirk), Ried (Ober
österreich), Mies (Böhmen), die Staats-Realgymnasien in Hernals (Niederösterreich), Prag (2 sprach
lich gesonderte), Krumau und Reichenberg (Böhmen), Brünn und Prerau (Mähren), Freudenthal und
Weidenau (Schlesien); — die Landes-Realgymnasien in MUhrisch-Neustadt und Mährisch-Schönberg; —
die Communal - Realgymnasien in Pfibram, Pilsen, Taus, Ellbogen, Kaden und Pilgram (Böhmen),
Weisskirchen (Mähren). Die Communal-Anstalten von Ober-IIollabrunn, Freistadt, Prachatic, Chrudim,
Tabor, Ungarisch-Hradisch, Weisskirchen, Kolomea, mussten, angesichts der stets wachsenden Aus
lagen der Communen für Volksschulzwecke, auf den Staat, Stockerau und Leoben auf das Land über
nommen werden, jedoch mit beträchtlichen Beitragsleisturigen der Gemeinden; die Anstalten in
Freistadt, Chrudim und Kolomea wurden hierbei eben so, wie die dritte Anstalt in Lemberg,
das Staats-Untergymnasium in Wadowice, und das Staats-Realgymnasium in Wien (III. Bezirk),
mit den Ober-Classen erweitert. Die Gemeinden Deutsch-Brod, Pfibram und Jasfo erhielten Staats-
Subventionen.
1) Seit 1851 nahm die Schülerzahl um 50 Percente zu, und zwar:
um Percente:
in Oesterreich unter der Enns 79 6
„ Oesterreich ob der Enns und Salzburg , . . . 9 0
„ Steiermark 23'2
„ Kärnten und Krain 26'5
im Küstenlande 5S'5
in Böhmen 466
„ Mähren und Schlesien 84.0
„ Galizien und Bukowina 695
„ Dalmatien 2'2
in Tirol und Vorarlberg fand eine Abnahme um 22 9 Percente Statt. — Sehr erfreulich ist
die allgemeine stetige Abnahme des Privat-Studiums, indem die Privatschüler nur mehr in Oester
reich unter der Enns, Steiermark und Dalmatien mehr als 4, in Galizien 3, im Küstenlande fast 2
Percente der Gesammtschülerzahl bilden. Namentlich an Real-Gymnasien kennt man das Privat-
Studium fast gar nicht.
2) Keine Gemeinde (mit Ausnahme von Wien und Bielitz) bot jene Opfer anders als für ein
Realgymnasium, so dass die Untergymnasien zu Gotschee, Arnau, Meze.ric, Trebitseh und Radautz
und die Unter-Classen in Landskron die Einrichtung, wenn auch nicht den Namen einer solchen
Anstalt, und die Anstalten in Freistadt, Rudolfswerth, Krainburg, Wadowice und Kolomea auch den
Namen derselben erhalten mussten. Auch die von Communen neu übernommenen Ordens-Gymna
sien verwandelten sich sofort in Realgymnasien (Real- und Obergymnasien). Ein Gleiches geschah
mit der Ordensanstalt zu Nikolsburg. — Selbst in Wien nahm der Besuch der vier alten Unter
gymnasien von 1871 bis 1873 um 16 Köpfe ab, während jener der 4 schon 1871 bestandenen
Realgymnasien um 114 zunahm; bezieht man auch die im October 1872 eröffneten neuen
Anstalten in die Rechnung ein, so ergibt sich dort eine Gesammt-Zunahme um 54, hier um
177 Schüler.