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Full text : Bericht über österreichisches Unterrichtswesen, aus Anlass der Weltausstellung 1873, I. Theil: Geschichte, Organisation und Statistik des österreichischen Unterrichtswesens

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Lehrziele.

den  dalmatinischen  Gymnasien  führt  daselbst  eine  sehr  durchgreifende  Modification
  des  Lehrplanes  mit  sich,  welche  aber  noch  nicht  definitiv  festgestellt  ist.
Eine  Anzahl  von  Gymnasien  —  namentlich  solcher,  bei  denen  eine  grosse
Zahl  von  Aufnahmswerbern  in  die  unterste  Classe  der  Unterrichtssprache  nicht
gehörig  mächtig  zu  sein  pflegt  —  besitzt  eine  Vo  rber  eitungsclasse,  deren
Unterricht  sich  auf  Religionslehre,  Unterrichtssprache  und  Rechnen  beschränkt.
13.  Die  Lehrziele  sind:
n)  Eür  den  Unterricht  der  lateinischen  Sprache:
a)  im  Unter-Gymnasium:  grammatische  Kenntniss  der  lateinischen  Sprache,
durch  zahlreiche  mündliche  und  schriftliche  Uebungen  gesichert;  Fertigkeit ­
  und  Uebung  im  Uebersetzen  eines  leichten  lateinischen  Schriftstellers ­
  (Cornelius  Nepos,  Caesar  bellum  galt.,  Ovid);
ß)  im  Ober  -  Gymnasium:  Kenntniss  der  römischen  Literatur  in  ihren  bedeutendsten ­
  Erscheinungen  (Livius,  Salustius,  Caesar  bell,  civ.,  Cicero  s
Reden,  Tacitus,  Ovid,  Vergil,  Horaz)  und  in  ihr  des  römischen  Staatslebens;
Erwerbung  des  Sinnes  für  stylistische  Form  der  lateinischen  Sprache
und  dadurch  mittelbar  für  Schönheit  der  Rede  überhaupt.
b)  Für  den  Unterricht  in  der  griechischen  Sprache:
a)  im  Unter  -  Gymnasium:  grammatische  Kenntniss  der  Formenlehre  des
attischen  Dialectes  nebst  den  wesentlichsten  Puncten  der  Syntax;
ß)  im  Ober  -  Gymnasium:  gründliche  Lecture  des  Bedeutendsten  aus  der
griechischen  Literatur  {Homer,  Xenophon,  Herodot,  Sophokles,  Plato,
Demosthenes),  soweit  es  die  dem  Gegenstände  eingeräumte  Unterrichtszeit ­
  zulässt.
c)  Für  den  Unterricht  in  der  Unterrichtssprache:
a)  im  Unter  -  Gymnasium:  richtiges  Lesen  und  Sprechen,  Sicherheit  im
schriftlichen  Gebrauche  der  Sprache  ohne  Verstösse  gegen  Grammatik
und  Orthographie,  nebst  Kenntniss  der  Formen  der  gewöhnlichen  Geschäftsaufsätze ­
  und  Anfängen  der  Geschmacksbildung  durch  Memoriren
prosaischer  und  poetischer  Lesestücke;
ß)  im  Ober-Gymnasium:  Gewandtheit  und  stylistische  Correctheit  im  schriftlichen ­
  und  mündlichen  Gebrauche  der  Sprache  zum  Ausdrucke  eigener
Gedanken  (bis  zu  Rede-Uebungen  fortschreitend);  historisch  erweiterte
Kenntniss  der  Sprache;  historische  und  ästhetische  Kenntniss  des  Bedeutendsten ­
  aus  der  Rational  -  Literatur 1 )  ;  daraus  sich  entwickelnde
Charakteristik  der  Hauptgattungen  prosaischer  und  poetischer  Kunstformen. ­

d)  Für  den  Unterricht  in  der  zweiten  Landessprache  (oder  der  deutschen,
wo  sie  nicht  als  Unterrichtssprache  erscheint):

1)  Nur  an  Gymnasien,  deren  Schüler  in  der  Mehrzahl  deutscher  Nationalität  sind,  wird  in  der
VI.  oder  VII.  Classe  auch  eine  Auswahl  mittelhochdeutscher  Lesestücke  durchgenommen.
            
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