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Gerstner.
gate Lehrgegenstände forderte er: Religionslehre bis zur Erklärung der mora
lischen Schriften des alten und neuen Testaments; Hebungen in der deutschen
Sprache, verbunden mit einer Theorie des Styls, mit Geschäfts-Aufsätzen und
der Anleitung zu einer nützlichen Lecture; Geographie mit besonderer Rück
sichtnahme auf Landwirthschaft, Industrie und Handel; allgemeine und vater
ländische Geschichte unter der gleichen Rücksichtnahme; Arithmetik und
Algebra mit Anwendung auf wirtschaftliche und mercantile Verhältnisse und
auf die Berechnung von Körpern und Maschinen; Elementar-Geometrie; Statik
und Dynamik der festen und flüssigen Körper; Anleitung zur Civil-Baukunst
und perspectivischen Aufnahme; Haturgeschichte mit Rücksicht auf praktische
Anwendung und die wichtigsten Lehren der praktischen Ihysik, populäre
Logik und Anleitung zur Rechtskenntniss; endlich Kalligraphie und Freihand
zeichnen in Blumen, Landschaften, Köpfen, Ornamenten, Gerätschaften
und Maschinen. Nebstbei sollte aber noch ein facultativer Unterricht in der
lateinischen und französischen Sprache für die beiden unteren Gassen, in der
italiänischcn und englischen für die beiden oberen Gassen ermöglicht werden;
der lateinische Unterricht könne auch in den Oberclassen seine F ortsetzung
finden.
Nach vollendetem Curse des allgemeinen Unterrichts hätte der fachliche
nach den verschiedenen Berufszweigen zu beginnen, und zwar:
a) für die Adspiranten einer technischen Hochschule einjährig mit tech
nischer Chemie und Naturgeschichte, Maschinenlehre und Kunstgeschichte;
b) für die zu höherer Ausbildung in der Landwirthschaft Bestimmten zwei
jährig mit Theorie der Landwirthschaft, Anleitung zur Güter-Verwaltung,-
der bezüglichen Gesetzkunde und Buchführung, ökonomisch-technischer
Chemie;
c) für Candidaten eines höheren mercantilischen Curses zweijährig mit Theorie
und Geschichte des Handels, technischer Chemie, Waarenkunde, kauf
männischer Buchhaltung, Comptoir-Wissenschaft, Handels- und Weehselrecht.
Die Zöglinge aller dieser Fachcurse sollten jedoch überdiess die Zeich-
nungs-Uebungen fortsetzen.
Für jene Schüler, welche sich die Laufbahn des Kriegers oder Künstlers
zu wählen beabsichtigen, sollte ein besonderer, ausgedehnterer mathematischer
Curs eröffnet werden, wobei für die letzteren auch die Theorie der Künste und
ihre Hilfswissenschaften nicht ausser Acht zu lassen wären. Sämmtlichen Zög
lingen der Fachschulen wäre schliesslich eine Anweisung zur praktischen Fort
bildung und eine Hodegetik der höheren Fachstudien zu ertheilen.
Im Schlussberichte (December 1799) wurde diese Realschule als „eine
ganz neue Anstalt” bezeichnet, welche den erwähnten Berufsclassen das Gym
nasium und den philosophischen Curs ersetzen solle. In den neun Landes
hauptstädten sollten sämmtliche Curse, in 14 anderen Städten bloss Institute
errichtet werden, welche den allgemeinen und den ökonomischen Unterricht in