Feuchtersieben, Exner.
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tember 1844, welche eine Revision des Realschul-Lehrplanes anbefahl, „um die
Aufgabe dieser Anstalten in ihrem vollen Umfange aufzufassen.” Inmitten der
vorbereitenden Schritte für die Ausführung brach die alte Ordnung der Dinge
zusammen.
Das Unterrichts-Ministerium fand bezüglich der Reorganisation der Real
schulen innerhalb Oesterreichs so gut als gar nichts, ausserhalb Oesterreichs
weitaus nicht so viel vorgearbeitet, als bezüglich der Gymnasien, wesshalb es
auch nicht in der Lage war, mit gleicher Entschiedenheit einen fest abgeschlos
senen Plan seines Vorganges einzuhalten. Feuchtersieben betrachtete die
dreiclassige Realschule als Fortsetzung der dreiclassigen Bürgerschule, welche
ihrerseits an die \ olksschule anzuschliessen habe und aus den bisherigen vier
ten Classen der Hauptschulen erwachsen solle.
„Die Bürgerschule hat in vorherrschend populärer und unmittelbar prak
tischer Weise alle Lehrgegenstände der Volksschule fortzusetzen und mehr in
das Einzelne zu verfolgen und nebst dieser allgemeinen Bildung zugleich eine,
fachliche für die niederen Kreise der ländlichen und städtischen Gewerbe
zu ertheilen.”
„Sowohl aus der Bürgerschule, als aus dem Unter-Gymnasium kann man
in die Realschule eintreten, welche den allgemein bildenden Unterricht der
Bürgerschule in vorherrschend wissenschaftlicher Weise fortsetzt und zugleich
die specielle Vorbereitung für die technischen Studien besorgt.”
„Jede Stadt soll eine Bürgerschule, jedes Land mindestens eine Real
schule besitzen.”
„Von der Bürgerschule und der Realschule sind die speciellen Fach
schulen zu unterscheiden, welche theils der ersteren, theils der letzteren ana
log erscheinen (Gewerbe-, Zeichnen-, Spinnschulen u. s. w., — Ackerbau-,
Handels-, Schiffahrts-, Militärschulen u. dgl. m.).”
Exner, welcher im Studienkreise der österreichischen Gymnasien den
Realien einen so weiten Spielraum eröffnete, nahm in den Organisations-
Entwurf vom 16. September 1849 die Realschulen auf und sah auch in ihnen
keine mathematisch - naturwissenschaftlichen Fachschulen, sondern Anstalten
allgemeiner Bildung.
„Da viele Angehörige der Lebenskreise, für welche die Realschule bestimmt
ist, ebenso, wie jene Kreise zunächst aus den materiellen Bedürfnissen hervorgehen,
auch vorzugsweise durch die materiellen Bedürfnisse beherrscht werden, so
sehen sie sich dadurch gezwungen, bei Voranstellung der Fachbildung die all
gemeine Bildung mehr oder weniger zurückzusetzen und ihr den Raum zu
verengen.”
Indem er Feuchtersleben’s Ideen weiter entwickelte, ganz richtig aber
zugleich eine gewisse Mannigfaltigkeit der Einrichtung dieser Schulen als uner
lässlich erkannte, stellte er die Grundzüge dessen, was er beabsichtigte, in
folgenden Puncten fest.