MAK

Full text: Bericht über österreichisches Unterrichtswesen, aus Anlass der Weltausstellung 1873, I. Theil: Geschichte, Organisation und Statistik des österreichischen Unterrichtswesens

236 
Die Jahre 1815 — 1837. 
gischen Operationen, die Geburtshilfe und Augenheilkunde übertragen, dem IV. 
noch die Thierarzneikunde, dem V. die gerichtliche Arzneikunde und medicinische 
Polizei beigegeben wurde. — Das niedere chirurgische Studium 1 ) wurde da 
hin umgestaltet, dass der allgemeine theoretische medicinische Unterricht schon 
im I. Jahrgange ertheilt, in denselben auch eine Encyklopädie des chirurgischen 
Studiums und eine Uebersicht der Physiologie aufgenommen, im II. hingegen 
nebst der chirurgischen die medicinische Praxis am Krankenbette (letztere für 
die gewöhnlichst vorkommenden einfachen Fälle, mit dem entsprechenden 
Unterrichte in specieller Pathologie und Therapie) geübt, Thierarzneikunde und 
gerichtliche Arzneikunde gelehrt wurde. 2 ) — Als Freifach sollte an Universitäten 
und Lyceen der „Unterricht über Rettungsmittel für Scheintodte oder plötzlich 
in Lebensgefahr Gerathene” eingeführt werden. 
Vortragssprache sollte bei den Lehrfächern der Physiologie, allgemeinen 
und speciellen Pathologie und Therapie für die Mediciner wieder die lateinische 
sein; Strenge bei den Semestral- und Annual-Prüfungen wurde eingeschärft. 
Für Ausländer durften die Professoren Privatvorlesungen halten, zu denen aber 
kein Inländer zugelassen werden konnte. Fast für jede Lehrkanzel der 
medicinisch-chirurgischen Studien - Abtheilung wurde ein Assistent (Adjunct, 
Prosector) bewilligt. 
Auch das bisher ganz dem Privat-Unterrichte anheimgegebene pharma- 
ceutische Studium wurde schon im Jahre 1804 geregelt und auf Natur 
geschichte, Chemie und Pharmacie ausgedehnt. 3 ) 
In diesen Formen wurde das österreichische Universitätswesen seither 
streng erhalten und in den Jahren 1815 und 1816 auch auf die neu oder 
wieder erworbenen Provinzen ausgedehnt 4 ), wobei namentlich das lombardisch- 
venetianische Königreich für mannigfache weitläufige Reglements und Instruc 
tionen Raum bot. Im Jahre 1816 wurde das Lyceum in Lemberg wieder 
zur Universität erhoben, im Jahre 1826 entstand die Universität Innsbruck, 
im Jahre 1827 Gratz und Olmütz abermals, ohne dass hiedurch etwas an 
ihrer inneren Einrichtung sich änderte, also namentlich ohne Herstellung voll 
ständiger medicinisch-chirurgischer Studien. 
Die. wichtigsten Modificationen, welche in den nächstfolgenden Jahrzehn 
ten eintraten, waren folgende: 
1) Ein solches allein bestand an den Lyceen zu Gratz, Klagenfurt, Innsbruck, Olmütz und 
Lemberg. 
2) Als Aufnahmebedingung für das niedere chirurgische Studium wurde nur die Absolvirung 
der Volksschule verlangt. 
5) Diejenigen Pharmaceuten, welche vollständige Gymnasialbildung mitbrachten und zwei Jahre 
den Fachstudien oblagen, konnten seither das Doctorat der Chemie erlangen. 
J) Als Rest der Salzburger Universität wurde die theologische Facultät mit dem Rechte der 
Doctor-Promotion aufrecht erhalten, neben derselben bestand ein chirurgisches Studium. Das 
chirurgische Studium von Klagenfurt wurde im Jahre 1832 aufgehoben, da ein solches in Laibach 
ibrtbestand.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.