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Full text: Bericht über österreichisches Unterrichtswesen, aus Anlass der Weltausstellung 1873, I. Theil: Geschichte, Organisation und Statistik des österreichischen Unterrichtswesens

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Wiener Normalschule 1771. 19 
reichlichen Volksschulwesens gab ein (vielleicht von Maria Theresia selbst ver- 
anlasstes) Promemoria des für Yolksnnterricht rastlos eifrigen Passauer Fürst 
bischofs L. E. Grafen von Firmian an die Kaiserin, welche seit dem Schlüsse 
des siebenjährigen Kriegs mit verdoppeltem Eifer Hand an eine durchgreifende 
Regeneration ihres Reiches legte. Koch fehlte dem grössten Theile der 
politischen Behörden die Geneigtheit zn thatkräftigem Eingehen auf jene Vor 
schläge oder auf die daran geknüpften Anträge der Wiener und Salzburger 
Diocese. Desto ernster fasste dieselben der Staatsrath auf und beantragte 
auf Grundlage der Vorschläge des Rectors zu St. Stephan in Wien, J. Messmer, 
die Errichtung der Schulcommissionen in Oesterreich unter und ob der Enns, 
mit der Aufgabe, eine Verbesserung der Lehrart und eine Ordnung der äusseren 
Schulverhältnisse in den Erzherzogtümern durchzuführen. Die am 14. Juli 
1770 eroffnete n. ö. Schulcommission proponirte vor Allem die Errichtung 
einer Normalschule zu Wien, welche am 2. Januar 1771 unter Messmers 
Direction ins Leben trat und durch ihre Erfolge nicht wenig dazu beitrug, 
jene allgemeine Bewegung für den Aufschwung des Schulwesens zu entzünden 
welche sich nunmehr fast gleichzeitig in ganz Oesterreich kundgab. 
In Niederösterreich wurde sofort ein Normalschulfond durch Einbeziehung 
aller bisherigen Einkünfte der Elementarschulen, Einführung einer Abgabe 
von jeder Verlassenschaft und freiwillige Beisteuern gestiftet, der Schulbücher 
verlag begründet, ein zweifacher Katechismus (der kleinere fast wortgetreu 
dem Sagan’schcn nachgebildet) veröffentlicht und die verbesserte Lehrart durch 
Lehrer welche sich an der Normalschule ausgebildet hatten, namentlich im 
Waisenhause, in der Zollern’schen Schule und in den Piaristenschulen cinge- 
fuhrt. Aber auch in allen andern Provinzen war noch im Jahre 1771 die Er 
richtung von Schulcommissionen, Schulfonden und Normalschulen theils durch- 
ge uhrt theils vorbereitet. In Böhmen traf mit der von Wien kommenden 
niegung und dem Einflüsse der im benachbarten Schlesien errungenen Er- 
olge die Thätigkeit des Kaplitzer Pfarrers, P. Kindermann, zusammen, 
we eher seine Pfarrschule zu einer Musterschule erhob; aus allen Theilen des 
onigreiches strömten ihm Präparanden des Lehramts zu, während andere in 
Wien oder Sagan ihre höhere Ausbildung suchten. 
Neben diesen raschen praktischen Fortschritten machte sich die mäch- 
ige Bewegung der Geister zu Gunsten der Volksschule auch in Ent 
würfen zu ihrer durchgreifenden Neugestaltung geltend, unter welchen der 
schon erwähnte des Grafen J. A. von Pergen obenan stand. >) Sowohl dieser 
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