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Full text: Bericht über österreichisches Unterrichtswesen, aus Anlass der Weltausstellung 1873, I. Theil: Geschichte, Organisation und Statistik des österreichischen Unterrichtswesens

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Politische Schulverfassung 1805. 
unterrichtet, Rücksicht nimmt, sondern jeder Classe alles Wissenswürdige 
angemessen glaubt, jeder Classe die nämlichen Empfindungen beibringen und 
jede Classe durch die nämlichen Vorstellungen bestimmen will, so soll zwar 
auch in der Trivialschule die Möglichkeit geboten werden, dass sich für Indi 
viduen von besondern Fähigkeiten der Weg einer höheren Geistescultnr öffne, 
die Masse ihrer Schüler aber nur solche Regriffe erhalten, welche sie in ihren 
Arbeiten nicht stören und mit ihrem Zustande unzufrieden machen, sondern 
vielmehr ihr ganzes Gedankensystem auf die Erfüllung ihrer moralischen 
Pflichten und auf die kluge und emsige Erfüllung ihrer häuslichen und 
Gemeinde-Obliegenheiten einschränken.” 
„Trivialschulen haben demnach die Religionswahrheiten herzeindringlich 
zu lehren und den Kindern über die Dinge, welche sie umgeben, und über die 
\ erhältnisse, in denen sie sich befinden und während ihres Lebens befinden 
werden, die richtige Anweisung zu geben, um Dinge und Verhältnisse zu 
benützen, wie die christliche Sittenlehre es vorschreibt. Lesen, Schreiben und 
Rechnen sind ausser der Religion die einzigen Lehr gegenstände, deren 
jene Schulen als Mittel zu ihrem Zwecke bedürfen, zu denen nur noch eine 
praktische Anweisung, einige Aufsätze zu machen, hinzukommen darf.” 
„Ein etwas erweiterter Unterricht soll in der L—III. Classe der Haupt 
schulen stattfinden: Religionslehre mit Inbegriff der biblischen Geschichte und 
Erklärung der Evangelien, Lesen, Schön- und Rechtschreiben, Rechnen 
deutsche Sprachlehre, Anleitung zu schriftlichen Aufsätzen. Der Lehrcurs der 
IV. Classe wird in zwei Jahrgänge getheilt und umfasst: Religionslehre, 
Schönschreiben, Rechnen mit zusammengesetzten und schwierigeren Rechnungs 
arten, Sprachlehre, schriftliche Aufsätze, Geographie, österreichische Geschichte, 
Geometrie, Mechanik, Baukunst, Zeichnen, Naturgeschichte, Naturlehre.” 
„Die Lehr-Methode muss vor Allem das Gedächtniss, dann aber nach 
Bedürfnis der Ums tände den Verstand und das Herz zu bilden bemüht sein. 
Die Trivial-Schullehrer haben sich aller weiteren Entwicklungen, als im Schul 
end Methoden-Buche vorgezeichnet sind, strenge zu enthalten und nur dahin zu 
trachten, dass das Auswendigzulemende fest behalten und auf einzelne Beispiele 
angewendet werden könne. In den Hauptschulen hingegen muss den überein 
stimmend bearbeiteten Seelenkräften mehr Selbstthätigkeit zugemuthet und ein 
grösserer Spielraum, sich zu äussern, gestattet werden.” 
„Für eine Einrichtung zur fleissigen und andächtigen Beiwohnung des 
Gottesdienstes von Seite aller Schulanstalten, für den rechten Gebrauch der 
heiligen Sacramente sowie nicht minder für die Einführung und Aufrechthaltung 
einer guten Schulzucht ist mit allem Eleisse zu sorgen.” 
„An Trivialschulen fungirt nur ein Lehrer, ohne oder mit Gehilfen, je 
nach der Zahl der Lehrzimmer; an Hauptschulen sind so viele Lehrer als 
(lassen, an Normalschulen überdiess ein eigener Director. Als Katechet fungirt 
der Orts-Seelsorger oder dessen Cooperator.”
	        
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