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Politische Schulverfassung 1805.
unterrichtet, Rücksicht nimmt, sondern jeder Classe alles Wissenswürdige
angemessen glaubt, jeder Classe die nämlichen Empfindungen beibringen und
jede Classe durch die nämlichen Vorstellungen bestimmen will, so soll zwar
auch in der Trivialschule die Möglichkeit geboten werden, dass sich für Indi
viduen von besondern Fähigkeiten der Weg einer höheren Geistescultnr öffne,
die Masse ihrer Schüler aber nur solche Regriffe erhalten, welche sie in ihren
Arbeiten nicht stören und mit ihrem Zustande unzufrieden machen, sondern
vielmehr ihr ganzes Gedankensystem auf die Erfüllung ihrer moralischen
Pflichten und auf die kluge und emsige Erfüllung ihrer häuslichen und
Gemeinde-Obliegenheiten einschränken.”
„Trivialschulen haben demnach die Religionswahrheiten herzeindringlich
zu lehren und den Kindern über die Dinge, welche sie umgeben, und über die
\ erhältnisse, in denen sie sich befinden und während ihres Lebens befinden
werden, die richtige Anweisung zu geben, um Dinge und Verhältnisse zu
benützen, wie die christliche Sittenlehre es vorschreibt. Lesen, Schreiben und
Rechnen sind ausser der Religion die einzigen Lehr gegenstände, deren
jene Schulen als Mittel zu ihrem Zwecke bedürfen, zu denen nur noch eine
praktische Anweisung, einige Aufsätze zu machen, hinzukommen darf.”
„Ein etwas erweiterter Unterricht soll in der L—III. Classe der Haupt
schulen stattfinden: Religionslehre mit Inbegriff der biblischen Geschichte und
Erklärung der Evangelien, Lesen, Schön- und Rechtschreiben, Rechnen
deutsche Sprachlehre, Anleitung zu schriftlichen Aufsätzen. Der Lehrcurs der
IV. Classe wird in zwei Jahrgänge getheilt und umfasst: Religionslehre,
Schönschreiben, Rechnen mit zusammengesetzten und schwierigeren Rechnungs
arten, Sprachlehre, schriftliche Aufsätze, Geographie, österreichische Geschichte,
Geometrie, Mechanik, Baukunst, Zeichnen, Naturgeschichte, Naturlehre.”
„Die Lehr-Methode muss vor Allem das Gedächtniss, dann aber nach
Bedürfnis der Ums tände den Verstand und das Herz zu bilden bemüht sein.
Die Trivial-Schullehrer haben sich aller weiteren Entwicklungen, als im Schul
end Methoden-Buche vorgezeichnet sind, strenge zu enthalten und nur dahin zu
trachten, dass das Auswendigzulemende fest behalten und auf einzelne Beispiele
angewendet werden könne. In den Hauptschulen hingegen muss den überein
stimmend bearbeiteten Seelenkräften mehr Selbstthätigkeit zugemuthet und ein
grösserer Spielraum, sich zu äussern, gestattet werden.”
„Für eine Einrichtung zur fleissigen und andächtigen Beiwohnung des
Gottesdienstes von Seite aller Schulanstalten, für den rechten Gebrauch der
heiligen Sacramente sowie nicht minder für die Einführung und Aufrechthaltung
einer guten Schulzucht ist mit allem Eleisse zu sorgen.”
„An Trivialschulen fungirt nur ein Lehrer, ohne oder mit Gehilfen, je
nach der Zahl der Lehrzimmer; an Hauptschulen sind so viele Lehrer als
(lassen, an Normalschulen überdiess ein eigener Director. Als Katechet fungirt
der Orts-Seelsorger oder dessen Cooperator.”