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MAK

Full text : Musikalische Instrumente (Gruppe XV), officieller Ausstellungs-Bericht

Mufikalifche  Inftrumente.

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Reiz  der  Neuheit  für  fich,  bietet  aber  im  Weiteren  keinen  befonderen  praktifchen
Vortheil,  weder  in  Betreff  der  Spielart,  noch  hinfichtlich  des  Tones;  fowohl  nach
Seite  der  erfteren  wie  des  letzteren  ift  jener  Flügel  mit  der  englifchen  Mechanik
diefem  unendlich  überlegen.  Aufserdem  find  dann  noch  zu  erwähnen:  Zwei  Flügel
mit  Wiener  Mechanik  und  in  der  additionellen  Ausftellung  ein  52jähriger  Flügel,
verfertigt  von  Nanette  S  t  r  e  i  c  h  e  r,  derGattin  des  Gründers  der  Firma,  einer  ausgezeichneten ­
  Pianiftin,  die  fich  auf  den  Pianobau  verftand.  Diefe  von  der  Fabrik
Streicher  vorgeführten  Inftrumente  charakterifiren  fich  im  Allgemeinen  weniger
durch  einen  fehr  grofsen,  als  einen  edlen,  gefangvollen  und  fein  ausgeglichenen
Ton  und  eine  folide  Bauart.  Es  ift  erfreulich,  aus  diefen  Leiftungen  ein  ficheres
Zeugnifs  zu  entnehmen,  dafs  auch  der  gegenwärtige  Befitzer  der  Fabrik,  Herr  Emil
Streicher,  von  dem  ernften  Streben  befeelt  ift,  den  fo  bedeutenden  Ruf  diefer
alten  Firma  unverfehrt  aufrecht  zu  erhalten  und  womöglich  noch  zu  erhöhen.
Neben  diefen  angeführten  Firmen  nimmt  auch  Schweighofer  &  Söhne
eine  hervorragende  Stellung  ein.  Der  Grofsvater  der  jetzigen  Chefs  der  Firma  gründete ­
  fchon  bei  Beginn  des  laufenden  Jahrhundertes  ein  Claviergefchäft;  nach  deffen
Ableben  heiratete  die  Witwe  desfelben  den  damaligen  Leiter  des  Gefchäftes,  Herrn
Promberger,  welcher  das  Gefchäft  auf  feinen  Namen  weiterführte.  1832  etablirte
  fich  der  Vater  der  gegenwärtigen  Befitzer  unter  der  Firma  J.M.  Schweighofer. ­
  ■  Nach  dem  1852  erfolgten  Tode  ihres  Vaters  leiteten  die  jetzigen  Eigen
thümer  das  Gefchäft  für  ihre  Mutter,  welche  bis  1867  Befitzerin  desfelben  wor;°erft
in  diefem  Jahre  ging  es  vollftändig  in  die  Hände  der  damaligen  Leiter  über.
Obwohl  der  Vater  derfelben  bei  feiner  Etablirung  mit  den  drückendften  Verhält
niffen  zu  kämpfen  hatte,  fo  gelang  es  ihm  doch,  das  Gefchäft  immer  mehr  in  den
Vordergrund  zu  bringen.  Im  Jahre  1843  erhielt  er  bei  der  Ausftellung  in  Wien  die
goldene  Medaille;  von  diefer  Zeit  datirt  fich  der  ftetige  Auffchwung  des  Gefchäftes. ­
  Im  Jahre  1854  erhielt  die  Firma  bei  der  deutfchen  Induftrie-Ausftellung  die
erfte  Preismedaille,  in  der  Parifer  Ausftellung  1867,  die  erfte  Weltausftellung,
welche  die  Firma  befchickte,  die  filberne  Medaille  und  im  Jahre  1868  den  Hoftitel.
  Die  Fabrik  hat  feit  1832  über  4(100  Claviere  erzeugt  und  befchäftigt  gegenwärtig ­
  60  Arbeiter  in  und  aufser  dem  Haufe.
Die  Fabricate  von  Schweighofer  &  Söhne  erfreuen  fich  nichtnur  eines
immer  mehr  fteigenden  Abfatzes  im  Inlande,  fondern  auch  eines  zahlreichen
Exportes  nach  Italien,  in  den  Orient  und  nach  Rufsland,  und  entfprechen  allen
Anforderungen,  welche  die  Neuzeit  an  Claviere  ftellt,  denn  die  Fabrik  liefert  nicht
nur  Claviere  mit  der  Wiener  Mechanik,  fondern  auch  Inftrumente,  ganz  in  Eifen
gebaut  mit  Stofszungen-Mechanik,  mit  Repetitionsmechanik,  Pianinos,  Stutzflügel
mit  doppeltem  Oberftege  (kürzefte  Gattung).
Streicher  und  Schweighofer  find  die  einzigen  Firmen  in  der  öfterreichifchen
  Abtheilung,  welche  mit  dem  Ehrendiplome  bedacht  wurden.  Wir  fan
den  aus  der  Schweighofer’fchen  Fabrik  6  Inftrumente  vor,  und  zwar  zwei
Concertflügel  mit  eifemem  Stimmftock,  Metallplatte,  fechs  Eifenfpreizen.  fieben
Odtaven,  kreuzfaitig,  Agraffen,  Klangftab,  Mechanik  nach  Eck  aus  Köln,  mit  ununterbrochener ­
  Auslöfung,  durch  Anbringung  einer  Feder,  welche  die  Schwere  des
Hammergliedes  regulirt  und  das  überflüffige  Gewicht  entfernt,  bedeutend  verbeffert.
Eck  hat  bei  diefer  Mechanik  vorne  an  den  Taften  unter  dem  Elfenbein  ein
fchweres  Bleigewicht  angefchraubt,  wodurch  die  Tafte,  wenn  der  Hammerkopf
mit  ihr  nicht  verbunden  war,  nach  vorne  den  Fall  hatte;  dadurch  gerieth  diefelbe
beim  Spielen  in  eine  langfamere,  zitternde  (unruhige)  Bewegung  und  konnte
nicht  fo  fchnell  in  ihren  Ruhepunkt  gelangen,  dafs  beim  fchnell  wiederholten
Anfchlage  nicht  eine  für  den  Virtuofen  hinderliche  Störung  im  Tone  einträte.
Nicht  etwa,  dafs  der  Ton  bei  der  fchnellen  Bewegung  ausblieb,  diefs  ift  bei  dem
Syftem  des  double  echappement  unmöglich,  fondern  die  Tafte  ging  zu  langfam  in
ihren  Ruhepunkt  zurück  und  der  Hammerkopf  konnte  daher  nur  die  halbe  Ste'gung
und  auch  diefe  nicht  vollftändig  machen,  wodurch  die  Anfchläge  immer  bedeutend
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