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MAK

Full text : Musikalische Instrumente (Gruppe XV), officieller Ausstellungs-Bericht

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Eduard  Schelle.

vorzüglichen  Eigenfchaften  auszuriiften,  welche  bis  jetzt  nur  die  Frucht  der  Zeit
und  des  Gebrauches  find.  Auch  nach  diefer  Richtung  hin  find  verfchiedene  Verfuche
  gemacht  worden.  So  kam  V  o  u  i  11  e  au  m  e  in  Brüffel  auf  die  Idee,  durch  chemifche
  Präparate  das  Holz  dem  der  alten  Geigen  ähnlich  zu  machen.  Die  aus  diefem
Materiale  angefertigten  Inftrumente  zeichneten  (ich  durch  einen  herrlichen,  echt
italienifchen  Ton  aus.  Leider  waren  diefe  Vorzüge  von  kurzer  Dauer;  die  Geigen
bewährten  (ich  nicht  und  verloren  in  Folge  deffen  ihren  Werth.  Einen  ähnlichen
Verfuch  dürften  wir  auch  in  dem  Inftrumente  entdecken,  welches  Herr  Georg
Genaun  der  aus  New-York  in  der  amerikanifchen  Abtheilung  unter  dem  prunkenden ­
  Titel  „Kaifervioline“  ausgeftellt  hat.  Dagegen  würde  freilich  der  Erbauer
proteftiren,  denn  er  erklärt  felbft  in  der  kleinen  Schrift,  dafs  er  mit  Hilfe  dreier
Wiffenfchaften,  der  Mathematik,  Akuftik  und  Kenntnifs  in  der  Auswahl  des  Holzes
das  Syftem  der  italienifchen  Schule  nicht  nur  erfafst,  fondern  in  demfelben  auch
Fehler  entdeckt  habe.  „Ich  habe  ausgefunden,  dafs  die  alten  Meid  er  in  ihrer
niathematifchen  Eintheilung  und  in  der  verfchiedenen  Dicke  der  Ausarbeitung  der
Deckel  und  der  Böden  nicht  zur  Vollkommenheit  gelangt  find,  fondern  Fehler  begangen ­
  haben.  Diefe  Fehler  habe  ich  bei  Anfertigung  meiner  Violinen  zu  vermeiden ­
  gefucht  und  glaube,  diefe  meine  Aufgabe  gelöft  zu  haben.“  So  äufsert  er
fich  felbft  und  erzählt  uns  auch  im  Weiteren,  da(s  er  Violinen  in  Nachahmung  der
alten  Vorbilder  verfertigt  habe,  welche  grofse  Künftler,  Kenner  und  Autoritäten
erften  Ranges  von  Europa  und  Amerika  für  echte,  alte,  italienifche  Geigen  anerkannt ­
  hätten,  nicht  ihres  Tones  wegen,  fondern  auch  in  der  ganzen  äufseren
Erfcheinung.  Das  klingt  nun  allerdings  fehr  erbaulich;  es  hat  aber  viele  berühmte
Geigenbauer  gegeben,  w'elche  mit  denfelben  Wiffenfchaften  und  den  gleichen
Talenten  ausgerüftet  waren  und  dennoch  das  Ziel  trotz  aller  angeftrengten
Bemühungen  nicht  erreichten.  Wir  hegen,  offen  geftanden,  ungeachtet  jener  Ver
ficherungen  den  Argwohn,  dafs  Herr  Genuinder  dennoch  zu  einer  chemifchen
Behandlung  des  Holzes  feine  Zuflucht  genommen  hat.  Die  in  Rede  flehende
Geige,  eine  getreue  Copie  nach  Giufeppe  Guarneri,  ift  in  der  That  fehr  fchön  dem
Aeufsern  nach  und  von  ganz  vorzüglichem  Ton.  Allein  um  den  exorbitanten,
echt  amerikanifchen  Preis  von  io.ooo  Dollars,  das  ift  gegen  20.000  Guldeu.,  zu
entfchuldigen,  müfsten  ihre  Vorzüge  erft  die  Zeitprobe  beftehen.  Ein  echter
Guarneri  koftet  kaum  den  fünften  Theil  diefer  Summe;  wer  einen  folchen  befitzt,
weifs,  was  er  für  die  Zukunft  hat,  bei  der  Geige  des  Herrn  Gemünder  mufs  es
aber  erft  die  Zukunft  lehren.
Die  Geigenfabrication  war  auf  der  Ausftellung  am  reichlichften  in  der
öfterreichifchen,  deutfehen  und  italienifchen  Abtheilung  vertreten,  wenn  wir  die
Anzahl  der  Firmen  zum  Mafsftab  nehmen.  Unter  ihnen  liehen  felbftverlländlich
Lemböck  und  Bi11ner,  fchon  wegen  der  vielenVerdienfte,  die  fie  fich  um  den
Geigenbau  erworben  haben,  voran.
Lemböck  Gabriel,  deffen  Etabliffement  feit  1840  befteht,  hatte  eine  Anzahl
Geigen,  Copien  nach  A.  Stradivari,  Giuf.  Guarneri,  Maggini,  Bergonza,  per  Stück
100  bis  150  fl.  öfterreichifcher  Währung,  ferner  Violen  und  Celli,  die  letzteren  per
Stück  200  fl.  öfterreichifcher  Währung,  ebenfalls  Copien  nach  den  genannten
Meiftern  ausgeftellt.  Die  Violinen  Lemböck’s  haben  einen  vollen,  aber  zum  Theil
etwas  harten  Ton.  Am  meiden  fpricht  die  Copie  nach  Maggini  an,  die  einen
w'eicheren  und  anmuthigeren  Klang  als  die  anderen  entfaltet.  Befonders  gelungen
ift  dem  Meifter  eine  Viola,  deren  Ton  dem  Charakter  der'  alten  italienifchen
Mufter  nahekommt.  Die  beiden  Celli  zeichnen  fich  mehr  durch  Stärke  als  durch
Nobleffe  des  Tones  aus.  Die  fämmtlichen  Inftrumente  find  fchon  wegen  ihrer
guten,  foliden  Bauart  durchaus  preiswürdig.  Eben  fo  rühmlich  wie  Lemböck
bewährte  fich  auch  Bittner  David  in  feinen  vorgeführten  Inftvumenten.  Diefelben
beftehen  in  4  Violinen,  per  Stück  100  fl.,  2  Violen  per  Stück  80  fl.,  6  Violoncellos ­
  perStück  140  fl.  und  einer  Viola  d’amore  zu  60  fl.  öfterreichifcher  Währung.
            
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