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Full text: Musikalische Instrumente (Gruppe XV), officieller Ausstellungs-Bericht

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Eduard Schelle. 
dem ganzen Druckwerke mehr Fettigkeit verleiht. Das Zugftangel, am vorderen 
Ende doppelt ftark und von harter Bronce, bewegt lieh in zwei conifchen Stahl- 
fpitzen, welche im Flügel ftabil eingefchraubt find und nach Bedarf mehr oder 
weniger angezogen werden können. Das Zugftangel bildet auch am vorderenEnde 
einen zweiten Haltepunkt. Damit während des Spielens ein etwaiges Verloren 
gehen von einem Theil des Korkholzes keine Störung verurfacht, läfst der Halte 
punkt des Zugftangels den Wechsler nicht aus feinem Kreife. 
Auch die Tonwechfel-Mafchine, welche Cerveny bereits in früheren 
Jahren erfunden, ift eine Confequenz des Cylinderfyftems ; man kann vermitteln 
ihrer durch einen auf dem Cylinder befindlichen Drehbahn-Zeiger einen Ueber- 
gang von einer Tonart zur anderen leicht erzielen, fo dafs dadurch alle unbequemen 
Auffatzbögen entbehrlich geworden find. Die Mafchine hat aber nicht allgemeine 
Zuftimmung, namentlich der Bläfer gefunden. Ueberhaupt legen fämmtliche in 
aer Wiener Weltausftellung von Cerveny vorgeführten Inftrumente ein glänzen 
des Zeugnifs ab von dem raftlofen Streben desfelben, das gewählte Gebiet fowohl 
durch Erfindung neuer, als Vervollkommnung älterer Inftrumente möglich!! zu 
erweitern und zu vervollftändigen. 
J m Jahre 1842 hat fich Cerveny in Königgrätz etablirt und fchon zwei 
Jahre fpäter trat er mit einem Inftrumente auf, das allerdings nur ein Seitenftück 
fein will, aber feiner Form nach auf den Charakter eines ganz neuenTnftfumentes 
Anfpruch machen darf. Indem er die Erfahrung gemacht hatte, dafs die üblichen 
Waldhörner in runder Form für Platzmufiken im Tone fchwach und für die Caval 
ieri e höchft unbequem find, verfiel er auf eine ganz neue Conftrudlion. Das Rohr 
ift langgewunden wie das Bombardon und das Schallftück nach aufwärts gebaut, 
wird jedoch mit dem Horn-Mundftück geblafen. Der Ton ift ftark und ficher in 
allen Lagen und entfpricht vollkommen dem Ton eines Waldhornes. Im nächften 
Jahre wies er abermals ein neues, und zwar ein Riefeninftrument auf, nämlich den 
Contrabafs, welches er auf Anregung des Kapellmeifters'Altfcher erfunden hatte, 
und bald eine grofse Nachahmung fand, trotzdem es der Erfinder zunächft nicht zur 
befonderen Geltung bringen konnte. Es erfchien anfangs in Form des Bombardons 
oder der Tuba in Contra-Aund C. Wenige Jahre darauf brachte er das Phonilton, 
ein Solo-Baritoninftrument für gefchloffene Räume. Das Phonikon ift eigentlich eine 
Art Euphonion, nur dafs der Schalltrichter in Form einer länglich gedrückten 
Kugel gebaut ift, und gegen die Mündung hin fich verengt. Der Ton ift weich, 
dabei voll, angenehm und läfst fich leicht mit Streichinftrumenten verbinden. Der 
Erfolg des Cornons das feiner Form wegen in den Orcheftern manchen Anftand 
fand, veranlafste Cerveny an eine Verbefferung der Waldhörner mit Beibehal 
tung der hiftorifchen Form zu gehen. Er erweiterte nämlich die Röhre und erzielte 
dadurch einen volleren, ausgiebigeren Ton, ohne dafs der eigenthümliche 
Charakter desfelben dadurch verluftig gegangen wäre. Sein Unternehmen 
gründete fich auf die Erfahrung, die man einerfeits bei der Einführung derCylinder- 
mafchine, anderfeits auf dem Buglehorn gemacht hatte, die Erfahrung nämlich, 
dafs ein weit gebautes Metallinftrument den Grundton klar angibt, was beiden 
bisher gebräuchlichen eng gebauten Inftrumenten nicht zu erlangen war. Diefer 
Erkenntnifs im Allgemeinen verdanken überhaupt die mächtigen Bafsinftrumente, 
wie etwa das Paroxitonon u. f. w., die aus der Fabrik Cerveny s hervorgegangen 
find, ihren Urfprung. So erhielten das Euphonion und das Bombardon auf dem 
\\ ege diefes Princips durch eine bedeutende Erweiterung der Röhre, wie eine 
veränderte Richtung des Schallftückes, eine gröfsere Vervollkommnung. Das aus 
Blech geformte Contrafagot, das fogenannte Tritonicon, verdankt Cerveny 
eine bequemere Handhabung und leichtere Spielart, indem er die übermäfsig 
fange Röhre bedeutend verkürzte und fpäter die urfprüngliche Tonart D in Es ver 
wandelte. Er ergänzte ferner das Inftrument durch das riefige Subcontrafagot. 
Das Inftrument hat eine Röhre von nur 34 Fufs Länge und 14 Klappen, es gibt 
fogar das 34füfsige B der grofsen Pedalociave an. Diefes Inftrument fällt in das
	        
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