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Full text : Die Frauenarbeit und nationale weibliche Hausindustrie auf der Wiener Weltausstellung

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Kleiber  finb  31t  enge  unb  ju  furj,  ber  Untergrunb  ift  gefpart  unb  bie
©tiderei  liegt  wuchtig  barouf.  ©old)e  StuSführung  berträgt  fich  mit
bem  Sharalter  ber  Söeißftiderei  nicht;  fie  folt  bem  gaben  be§  Unter»
grunbeö  nachgeben,  fie  foll  fein  ©chmud  fein,  nicht  feine  Saft.
3fn  ber  @chwei3  ftefjt  bie  £ambourmafchine  ber  Urbeiterin  biel»
fac^  jur  ©eite;  bie  5£ütl»9fpplifation§arbeiten,  $orhänge,  Solcher
mit  großen  2trabeS!enbeffin8  werben  mit  .'pilfe  ber  9J£afc£)ine  im
gluge  gearbeitet.  Und)  farbige  Uftafchinenftidereien  finb  t)ier  ejponirt,
feffr  hübfche  iBorbüren  mit  ft^tiftifc^en  SSlumen,  Äleibbefä^e  unb
ähnliche  £)tnge.  @o  frof)  mir  fein  lönnen,  wenn  bie  airbeit  nad)
ber  (£lle,  ber  ®leibfd)mud,  welchen  bie  SJZobe  mit  fidf  bringt  unb  ben
fie  in  Snrjem  wieber  entführt  unb  für  nuhlofeS  ©erümpct  erflärt,
wenn  fold^e  muffelige  nnb  bodj  bergängliche  SIrbeit  bon  ber  ÜRafchine
angefertigt  wirb,  ebenfo  Itar  ift  eS,  baß  fie  bie  eigentliche  graueuarbeit
nicht  ju  crfe^en  bermag.  33ei  alter  airbeit  bon  granenhanb,  bie  fidf
über  baS  mechanifd)e  gabensiehen  beö  ©traminftidenS  erhebt,  ift
©timmung  unb  ßmpfinbung  tut  ©piele;  wir  föunen  nicht  luftig
fchaffen,  wenn  un§  eine  ©orge  brücft,  wir  fönnen  nicht  ben  gegebenen
Slugenblid  bergeffen,  er  hat  immer  fein  nächfteö  9fed)t,  unb  baS  fühlt
bie  ipanb  ber  grau  wie  ber  Sopf  beS  üÄanneS,  troh  aller  gleichen
aSirtuofität  ber  Sechnif  arbeitet  hoch  febe  grau  anberS.
Söetcher  Uuterfcfiieb  äWif^en  §anb»  unb  9Jiafd)inarbeit  in  ber
$unftftiderei  beftelft,  ift  am  beuttidjfteu  an  bem  häßlichen  gauteuil  31t
fehen  mit  ben  naturaliftifc^ett  tötumen,  in  welchen,  wie  nach  einem
eigenfinnigen,  unerbittlichen  ®cfehe,  fich  @tid)  an  ©tief),  garbe  an
garbe  reiht  unb  unberhüllt,  feelenloö  bor  unferem  Singe  baliegt.
ÜDtedhanifdje  ©tiderei  ift  baS  redjte  Sßort  für  fotcheS  ‘ißrobul't;  in
SBeiß,  wo  bie  gleiche  Sage  be§  ©tic^eS  eine  ®runbbebingung  ber  ©ct)önheit
  ber  Strbeit  bilbet,  mag  bie  iDZafchine  ihr  SRecfjt  behaupten,  aber  bie
©rajie  ber  garbenmifthung,  bie  foll  fie  heute  noch  ber  grauenhaub
überlaffen,  ben  Oebaufcnreichthum,  ben  ©chwung,  bie  wechfetbotte
SluSführuug  folcher  SIrbeit  erfe^t  bis  heute  noch  teine  üDiafcffine.
Unter  ben  wenigen  grauenarbeiten,  welchen  wir  in  ber  ©djwei;
außer  ben  fünftlerifch  boltenbeten  Sßeißftidereien  begegnen,  finbeu
wir,  wie  faft  überall  auf  europäifchem  SSoben,  bie  ^aararbeit,  bereit
            
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