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Full text : Die Frauenarbeit und nationale weibliche Hausindustrie auf der Wiener Weltausstellung

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warm  um’S  §er$  bei  folcpem  ©ebanlen,  unb  wir  müffett  bie  Bergan»
genpeit  mit  einem  bienten  Scpleier  oerljüöen,  um  in  baS  Sanb  bei'
©egenwart  mit  ruhiger  Betrachtung;  mit  füptem,  fritifdjem  Sinne
einjutreten.
ln  ber  Säule  bort  t)ängt  baS  Bilb  einer  jungen  attifefjen
Bäuerin,  bie  üon  einem  Feftc  peimfeprt.  3>n  farbenprächtigem  ©ewaübe
fteht  fie  oor  unS,  bie  Bänber  fchimmern,  bie  ©olbmünjen  bltnfen  an
ber  Stirne  unb  im  fcpwarjen,  glän^enben  §aare;  bie  gauje  ©eftatt
mit  ben  bunften,  gtühenben  lugen  ift  baju  angethau,  unS  ber  Bergan»
genheit  511  entrücten  unb  mit  ber  ©egentoart  Oer  traut  $u  machen.
(Einige  Schritte  weiter  britben  fteht  eine  anbere  grauengeftatt,
eine  ßoftümfigur  in  golbgeftieften  Schuhen  mit  breiten,  fitbernen
Schnallen,  in  weitem  faltigen  Seibenrocfe  unb  weiter  Schürfe  auS
Spipenftoff,  baS  Biieber  mit  IrabeSfen  unb  Bögelchen  in  ©olbbört»
epen  benäht,  baS  3äcfcpen  bon  Sammt  mit  ©otbfchniiren  unb  Borten
gefchmücft;  baS  feine  Dberpemb  trägt  eine  Spipenfraufe  am  §alfe
unb  barüber  fällt  ber  reiche  Scpmucl',  Settcpen  unb  ImuletS  mit  fär»
bigen  Bänbcpen.  ©in  Spipenfcpleier,  rotpe  Bänber,  ein  Blumenftraufj
oon  Felbblumen  unb  Bouillons  unb  Flitter  machen  ben  Sopfpup  ans.
Sie  ©olbbenäpung,  welche  bie  Ftau  auf  bem  Btiebcr  unb  bem
Rädchen  trägt,  ift  bie  SecpniE  ber  grieepifepen  Frauenarbeit.  Sie
©olbfcpnürcpen  werben  in  ornamentaler  Zeichnung  aufgenäpt,  mcift
auf  Sammt  ober  Seibe;  fepr  oft  wirb  in  bie  3eicpnung  eine  färbige
Unterlage  eingeführt,  gleicpfam  als  Füllung  beS  einjelnen  Ornaments;
fo  fepaut  oft  hellblau,  9totp,  ©rün  au  einjelnen  fünften  äWifcpen  ben
©olblinien  burep,  über  benen  an  beoorjugter  Stelle  Silber»  unb
©olbbouillouS  wie  ©bclfteinc  glimmen.
©S  ift  eine  grofje  B?enge  folcper  Irbeiten  auf  bunftem  Sammt
eyponirt.  Sie  3eicpnungen  fittb  föftlicp;  fie  finb  niept  fo  füpn,  fo
urfprünglicp,  fo  überquellenb  wie  in  manchen  Säubern  beS  Orients,
eS  ift  ba  gefpart  mit  $eit,  mit  Dfaum,  mit  Btateriale,  aber  jebe  Sinie
ift  grajiöS,  ift  burchbacpt  unb  maept  bem  Jpeimatlanbe  ©pre,  aus  bem
fotepe  ©rajte  ftammt.  Sie  ©infaffung  ber  F^be  mit  ©olb,  bie  ftpli»
ftifepe  Blume,  fo  in  gtüpenber  Scpönpeit  ba  unb  bort  in  baS  Drna»
ment  gebraept,  pat  nur  ©riecpentanb  aufjuweifen.
            
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