Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Heinrich Freiherr von Ferstel

Auf  dieser  Reise,  welche  Sir  Tatton  in  Gesellschaft  seiner  Frau  durch  England, ­
  Frankreich,  Deutschland  und  Oesterreich  machte,  kam  er  auch  nach  Wien,  sah
die  Votivkirche  und  nach  eingehender  Inspicirung  derselben  wendete  er  sich  an  den
Sacristan  mit  der  Frage,  wer  der  Erbauer  dieser  Kirche  sei  und  wo  er  wohne.  Sofort
nach  erhaltener  Auskunft  verfügte  sich  Sir  Tatton  mit  seiner  Frau  in  das  nahe  gelegene ­
  Atelier  Ferstels  und  begrüsste  ihn  mit  den  Worten:  „Herr  Baurath,  wollten
Sie  auch  für  uns  eine  solche  Kirche  bauen  wie  die  Votivkirche?“  Ferstel  antwortete
sehr  bescheiden:  „Warum  sollte  ich  nicht  eine  solche  Kirche  bauen?  Aber  ich  muss
darauf  aufmerksam  machen,  dass  der  Bau  eines  derartigen  Gotteshauses  nicht  gewöhnliche ­
  Geldmittel  erfordert.“  Sir  Tatton  erwiderte,  das  wäre  das  Geringste,  die
Geldmittel  würden  zur  Verfügung  stehen.  Die  Unterredung  schloss  Sir  Tatton  mit
dem  Bemerken,  dass  er  jetzt  mit  seiner  Frau  nach  Italien  gehe,  in  kurzer  Zeit  aber
zurückkommen  werde,  um  alles  Nähere  mit  Ferstel  zu  besprechen.
Nach  vierzehn  Tagen  erschien  Sir  Tatton  mit  seiner  Frau  wieder  bei  Ferstel,
und  es  wurde  in  der  That  alles  Weitere  vereinbart,  um  den  Bau  beginnen  zu  können.
Von  da  an  beginnt  begreiflicher  Weise  eine  sehr  lebhaft  geführte  Correspondenz
zwischen  Ferstel  und  Sir  Tatton.  Die  Londoner  Katholiken  aber,  welche  in  Erfahrung ­
  brachten,  dass  Sir  Tatton  eine  katholische  Kirche  bauen  wollte  und  diesen  Bau
einem  so  berühmten  Architekten  wie  Ferstel  übergeben  habe,  richteten  ihre  Bemühungen ­
  dahin,  Sir  Tatton  zu  bestimmen,  dass  diese  Kirche  nicht  auf  dessen  Landsitz
in  der  Grafschaft  York,  sondern  in  London  erbaut  werde.  Diese  Bemühungen  fanden
eine  grosse  Stütze  an  dem  Cardinal  Manning  in  London,  welcher  ebenfalls  dahin
strebte,  dass  eine  katholische  Kathedrale  in  London  erbaut  werde.
Ferstel  begab  sich  bald  darauf  direct  nach  London,  um  mit  dem  Cardinal  zu
conferiren,  und  um  mit  namhaften  Baumeistern,  mit  grossen  Steinlieferanten  etc.  in
Verbindung  zu  treten,  damit  die  Lieferung  von  gutem  Material  für  den  projectirten
Kirchenbau  gesichert  sei;  denn  bei  dem  Bau  einer  Kathedrale  von  der  Grösse  der
Votivkirche  hängt  viel  von  der  glücklichen  und  vernünftigen  Einleitung  des  Baues  ab.
Eine  nicht  geringe  Schwierigkeit  ergab  sich  bei  der  Wahl  eines  zweckmässigen ­
  Platzes  für  den  Bau  der  neuen  Kathedrale  in  London.  Doch  ist  es  gelungen,
einen  geeigneten  Platz  zu  erwerben,  dank  der  grossen  Geldmittel,  welche  der  englischen ­
  katholischen  Gesellschaft  zur  Verfügung  stehen.  Dieser  Platz  befindet  sich  in
der  Mitte  von  London,  nicht  weit  entfernt  von  der  Residenz  des  Erzbischofs,  in  der
unmittelbaren  Nähe  der  Victoria  Street,  aut  einem  Platze,  den  bisher  ein  baufälliges
Gefängniss  eingenommen  hat  und  der  sammt  den  darauf  befindlichen  Baulichkeiten,
welche  demolirt  werden,  um  den  Preis  von  120.000  L.  Sterl.  erworben  wurde.  So
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.