faltigen Ausführung halber zu den gediegensten, stilvollsten Leistungen der jüngeren
Wiener Bildhauerschule.
Wenn es aber auch Ferstel nicht vergönnt war, die Vollendung des Universitätsbaues
zu erleben, so ist es doch schon jetzt zweifellos, dass, wenn die Aula und die
Bibliothek vollendet sein werden, dieses Bauwerk am meisten dazu beitragen wird,
den Ruhm des genialen Künstlers für alle Zeiten sicherzustellen.
Im Laufe des Jahres 1884 dürften wohl alle Unterrichtsräume des neuen
Universitätsgebäudes der Benützung übergeben werden. Ferstel hatte eine sehr
deutliche Vorstellung von den baulichen Bedürfnissen einer modernen grossen
Universität und hat deswegen mehrere Studienreisen unternommen, auch nach
England. Er hat mit mir oft und eingehend gesprochen. Ihn interessirten die englischen
Universitäten, insbesonders die Oxforder Universität, wo für einzelne Unterrichtszweige
selbstständige Gebäude aufgeführt sind. Er hielt es für das Ideal eines Universitätsbaues,
dass für die einzelnen Universitätsinstitute selbstständige Bauten
aufgeführt werden, und hielt dies für die naturwissenschaftlichen Institute für unerlässlich,
da der Lehrapparat für diese Wissenschaften unmöglich in Einem Gebäude
zweckmässig untergebracht werden könne. Er hoffte aber dass diese Gebäude durch
die stilistische Behandlung als zur Universität gehörig kenntlich gemacht werden. Er
hat, wie es für jeden Kunstfreund selbstverständlich ist, Universitätsbauten nicht als
Noth- oder Bedürfnissbauten, sondern als Monumentalbauten angesehen. Darin
hat er sich nicht geirrt, dass auch im Deutschen Reiche diese Auffassung Platzgreifen
werde. Er wünschte, dass die Ausschmückung der Universität nicht mit
Einem Schlage, sondern successiv durchgeführt werde, um auf diese Weise den Boden
für eine regelmässige Beschäftigung der Künstler*) auf dem Gebiete der monu-*)
Um unseren Lesern ein Bild von den Bestrebungen Ferstels in Bezug auf die künstlerische Ausschmückung
des Universitätsbaues zu geben, theilen wir im Nachfolgenden einen von ihm beantragten Kostenüberschlag mit:
Für den Festsaal:
Malereien an der Decke in Fresco
Zwei Statuen, eine Gruppe, eine Anzahl Büsten . . .
, , . r-. ,, FürdieübrigenRäume:
Auf der Festtreppe:
Ein grosses Mittelbild, zwei kleine Seitenbilder, vier kleine Bilder, zehn viereckig gerahmte Bilder
Acht historische Porträlfiguren
Acht Nischenfiguren für die zweite Haupttreppe
fl. 50.000
„ 15.000
„ 50.000
„ 20.000
„ 20.000
Für die Decke der Hof-Arkaden:
19 Bilder, 18 Medaillons, 84 Porträtmedaillons, dann eine Anzahl verschieden geformter Bildflächen ca. . . „ 1G0.000
Für die beiden Atrien im Festsaalbau:
Vier eingerahmte Bilder in Frescomalerei und ausserdem figurale Darstellungen in den Pendentifs „ 20.000
Gesammtkostenbetrag . . fl. 335.000
Hievon sollte der Betrag von 65.OOO fl. für die nächsten drei Jahre, der Betrag von 270.000 fl. dagegen in einem
Zeiträume von 10—20 Jahren zur Verwendung kommen.
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