85
zu einer technischen Ausnützung hieten. Leider nützen diese
Gas-Anstalten ihre Nebenproducte höchstens nur auf eine noth-
dürftige Gewinnung von Ammoniak-Salzen aus und vernachlässigen
ihre in den ßeinigungs-Apparaten angespeicherten Abfallschätze
und verwerthen ihren Theer sammt allen darin enthaltenen flüeh-
tigen Bestandteilen zu Zwecken, welchen ebenso gut der letzte
schwertlrichtige Destillations-Kückstand genügen könnte. Ueber-
haupt ist namentlich in den südlichen Provinzen der Monarchie
die Verwertung einer trockenen Destillation zu anderen Zwecken
als zur Gas-Bereitung ganz und gar nicht begriffen, und es ist
bei dem heutigen Aufschwünge der chemischen Verwertung von
Nebenproducten fast unbegreiflich, wie in diesen Kronländern,
welche eine ausgedehnte Verwendung von Holzkohle machen, die
Kohlenschwelerei noch immer in den primitivsten Formen liegt
und selbstverständlich alle Nehenproducte, wie Holz-Essig und
condensirbare Kohlen-Wasserstoffe preisgibt.
Auf der Wiener Weltausstellung nahmen die rohen Arznei
körper, den verschiedensten Erdgebieten entnommen, einen aus-
gebreiteten und vollberechtigten Platz ein. Solche rohe Arznei
stoffe entstammen fast ohne Ausnahme den organischen Kelchen,
da die dem Mineralreiche zugehörigen durch die, chemische Technik
gegenwärtig bedeutungslos geworden sind. Die hohe Bedeutung
der Weltausstellung für die pharmaceutische Waarenkunde liegt
eben darin, dass Material geboten wurde, das bereits vorhandene
Wissen theils zu erweitern, theils zu bereichern, indem die Cha
rakteristik solcher Waaren durch zugängliche authentische Muster
vervollkommnet werden konnte, und indem Gelegenheit geboten
war, über Abstammung verschiedener roher Heilstoffe und über
die Resultate neu betriebener Culturen von Heilpflanzen sichere
Auskunft zu gewinnen.
Für den Chemiker sind hier namentlich die Cultur von
Ciuchona-Bäumen und von Opium-Mohnsorten wegen des Materiales
für Darstellung heilkräftiger Alkaloide von besonderer Bedeutung.