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MAK

Full text : Bericht über die Weltausstellung zu Wien im Jahre 1873

überraschende  Entdeckung  Kraut’s,  das  Glycerin  krystallisirfäkig
zu  erhalten,  scheint  ganz  besonders  geeignet,  einer  praktischen
Verwerthung  fähig  zu  werden.
Die  Anwendung  des  Glycerins  hat  sich  in  den  letzten  Jahren
sehr  bedeutend  gesteigert;  nach  einer  annähernden  Schätzung  sollen ­
  1859  Idos  nur  zum  Zwecke  der  Weinversüssung  (Scheelisiren)
in  den  weinproducirenden  Ländern  gegen  20.000  Ctr.  Glycerin
verbraucht  worden  sein:  an  diese  grossartige  Verwendung  reiht
sich  der  Massen-Oonsum  des  Glycerins  als  Conservations-  Mittel
der  Haare  und  der  Haut,  und  für  medicinische  Zweke.  Das  Glycerin ­
  bildet  die  Grundlage  zur  Darstellung  des  in  Dynamit-Form
zu  Sprengungen  ausgedehnt  angewendeteii  Nitro  -  Glycerins.
Glycerin  wird  mit  Vortheil  zum  Dichten  der  Fässer,  in  denen
Petroleum  aufbewahrt  werden  soll,  verwendet  und  als  hervorragender ­
  Industriefortschritt  muss  die  Glycerin-Schlichte  bezeichnet
werden,  bei  deren  Anwendung  die  Weber  von  feinen  Mousselin-S
  tollen  nicht  mehr  wie  bisher  angewiesen  sind,  in  feuchten  und
ungesunden  Kellergeschossen  zu  arbeiten,  sondern  ihre  Thätigkeit
auch  in  trockenen  und  gutgelüfteten  Localen  verrichten  können.
Das  ursprüngliche  Hausgewerbe  der  Kerzengiesserei  hat  sich
nach  und  nach  zu  einer  colossalen  Fabrication  von  Stearinkerzen
entwickelt,  und  wenn  wir  auch  den  ausgestellten  Tempeln,  Obelisken ­
  und  sonstigen  Arten  eines  Riesengusses  mit  Stearin-Masse
keinen  besonderen  technischen  oder  industriellen  Werth  zuerkennen
dürfen,  so  können  wir  dessenungeachtet  gerade  solche  Massen-Darstellung
  als  Beweis  hinnehmen  über  die  grossartigen  Anlagen
der  Fabriken,  welche  sie  darstellen  konnten.
Das  Rohmaterial  der  Stearinkerzen  -  Industrie  ist  gegenwärtig ­
  Palm-Oel  und  Talg,  in  Cincinnati  auch  Schweinfett,  und  an
vielen  Orten  werden  sogenannte  Apollo  -  Helios  oder  Melanyl-Kerzen
  aus  einem  Gemenge  von  Stearin  und  weichem  Paraffin
erzeugt.  Die  Darstellung  der  Stearin-Massen  erfolgt  entweder  durch
Verseifung  der  Fette  mit  Kalk  oder  durch  Zersetzung  mittelst
Schwefelsäure  und  darauf  folgende  Dampf-Destillation,  oder  endlich
durch  Fetteinwirkung  von  hochgespanntem,  überhitztem  Wasserdampf. ­

            
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