überraschende Entdeckung Kraut’s, das Glycerin krystallisirfäkig
zu erhalten, scheint ganz besonders geeignet, einer praktischen
Verwerthung fähig zu werden.
Die Anwendung des Glycerins hat sich in den letzten Jahren
sehr bedeutend gesteigert; nach einer annähernden Schätzung sollen
1859 Idos nur zum Zwecke der Weinversüssung (Scheelisiren)
in den weinproducirenden Ländern gegen 20.000 Ctr. Glycerin
verbraucht worden sein: an diese grossartige Verwendung reiht
sich der Massen-Oonsum des Glycerins als Conservations- Mittel
der Haare und der Haut, und für medicinische Zweke. Das Glycerin
bildet die Grundlage zur Darstellung des in Dynamit-Form
zu Sprengungen ausgedehnt angewendeteii Nitro - Glycerins.
Glycerin wird mit Vortheil zum Dichten der Fässer, in denen
Petroleum aufbewahrt werden soll, verwendet und als hervorragender
Industriefortschritt muss die Glycerin-Schlichte bezeichnet
werden, bei deren Anwendung die Weber von feinen Mousselin-S
tollen nicht mehr wie bisher angewiesen sind, in feuchten und
ungesunden Kellergeschossen zu arbeiten, sondern ihre Thätigkeit
auch in trockenen und gutgelüfteten Localen verrichten können.
Das ursprüngliche Hausgewerbe der Kerzengiesserei hat sich
nach und nach zu einer colossalen Fabrication von Stearinkerzen
entwickelt, und wenn wir auch den ausgestellten Tempeln, Obelisken
und sonstigen Arten eines Riesengusses mit Stearin-Masse
keinen besonderen technischen oder industriellen Werth zuerkennen
dürfen, so können wir dessenungeachtet gerade solche Massen-Darstellung
als Beweis hinnehmen über die grossartigen Anlagen
der Fabriken, welche sie darstellen konnten.
Das Rohmaterial der Stearinkerzen - Industrie ist gegenwärtig
Palm-Oel und Talg, in Cincinnati auch Schweinfett, und an
vielen Orten werden sogenannte Apollo - Helios oder Melanyl-Kerzen
aus einem Gemenge von Stearin und weichem Paraffin
erzeugt. Die Darstellung der Stearin-Massen erfolgt entweder durch
Verseifung der Fette mit Kalk oder durch Zersetzung mittelst
Schwefelsäure und darauf folgende Dampf-Destillation, oder endlich
durch Fetteinwirkung von hochgespanntem, überhitztem Wasserdampf.