96
Auf der Wiener Ausstellung waren aus verschiedenen Ge
bieten von Oesterreich, aus Frankreich, Deutschland, England
und Schweden zahlreiche und namhafte Objecte der Zündwaaren-
Fabrication ausgestellt.
Auf diesem industriellen Gebiete haben sich seit der Pariser
Weltausstellung keine besonderen Veränderungen, abgesehen von
verbesserten mechanischen Operationen, kundgegeben. Wohl wer
den die Streich-Zündhölzchen billiger, gefälliger und atmosphä
rischen Einflüssen besser Widerstand leistend dargestellt, aber
die Grundlage des Zündholzes ist in der grösseren Menge dieser
Zündwaaren der gewöhnliche gelbe Phosphor geblieben, welcher
mit sauerstoffreichen Körpern, wie Blei-Hyperoxyd oder Mennige
gemengt, zusammen mit einem Bindemittel und mit gefälligem
Farbezusatz die Masse der Köpfchen auf den Zündhölzchen bildet.
Der zum TTebertragen der Verbrennung auf das Hölzchen be
stimmte, leicht brennbare Körper ist bei ordinärer Waare der
Schwefel geblieben, während bei feineren Sorten die Hölzchen
nur noch mehr selten mit Wachs, sondern mit Stearin und Paraffin
getränkt werden.
Der wesentlichste Fortschritt liegt in der Phosphor-Oeko-
nomie bei der Bereitung von Zündmasse; dessen ungeachtet haben
die Phosphorhölzchen trotz aller Vorzüglichkeit die Uebelstände
der grossen Feuergefährlichkeit und der überaus giftigen Wirkung
des Phosphors auf den Organismus.
Als End-Ergebniss der Pariser Weltausstellung 18G7 hatte
man in der Zündwaaren - Industrie die Ansicht gewonnen, dass
dein rothen Phosphor in der weiteren Entwicklung der Ziind-
waaren-Industrie eine besondere Rolle zukommen werde.
Bekanntlich ist der von Anton von Schrötter 1848 erkannte
amorphe oder braunrothe Phosphor eine allotrope Modifikation
des gewöhnlichen gelben, lichtendzündlichen und giftigen Phos
phors. Der amorphe Phosphor entzündet sich erst bei 200° und
erweist sich unlöslich iii allen Lösungsmitteln, in denen gewöhn
licher Phosphor löslich erscheint, weshalb er eben sich als nicht
giftig erweist. Amorpher Phosphor gibt aber ganz so wie ge-