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Full text: Bericht über die Weltausstellung zu Wien im Jahre 1873

wohnlicher Phosphor Anlass zur explosiven mit Wärme-Entbindung 
begleiteten Zerlegung des Kalium-Chlorates. 
Es wäre in der That sehr erwünscht gewesen, wenn es 
dieser ungefährlichen Phosphor-Modification gelungen wäre, den 
gewöhnlichen Phosphor zu verdrängen; es wurden auch wieder 
holte industrielle Versuche angestellt, und es werden solche noch 
heute unternommen, den amorphen Phosphor geeignet in der 
Zündwaaren-Industrie zu verwerthen; aber gewisse Uebelstände 
hemmen die allgemeine Benützung dieser Modifikation. Die Ver 
wendung des amorphen Phosphor bedingt bis heute die Mitanwen 
dung von Kalium-Chlorat; entweder liegt der rothe Phosphor in 
der Beib fläche, oder er ist mit dem chlorsauren Kali zusammen 
im Zündköpfchen enthalten. Trn ersten Falle ergibt sich zunächst 
die Unbequemlichkeit, die Zünder ohne der dazu nöthigen Beib- 
fläche entzünden zu können; dann wird die Beibfläche selbst in 
kurzer Zeit mechanisch abgenützt, und endlich unterliegt der 
amorphe Phosphor ebenso wie der gewöhnliche einer raschen 
Oxydation an feuchter Luft, und die auf der Beibfläche gebildete 
Phosphorsäure macht dieselbe feucht und unbrauchbar. Im an 
deren Falle, wo die Zündköpfchen Kalium-Chlorat und Phosphor 
enthalten, tritt die Zersetzung der Chlor-Verbindung unter 
heftiger Detonation auf, so dass brennende Theilchen umher 
geschleudert werden, wodurch die Feuergefährlichkeit nur um so 
grösser wird. 
Bedenkt man, dass sämmtlicher Phosphor aus Knochen 
-dargestellt wird, deren Phosphat-Gehalt direct oder indirect dem 
Ackerboden entzogen wurde, so kommt man bald zu dem Schlüsse, 
■dass die Phosphor-Zündwaaren-Industrie den Bedürfnissen des 
Ackerbaues Abbruch timt, dass es daher die Aufgabe der Ztind- 
waaren-Fabrication sein muss, möglichst bald Zündwaaren ohne 
Phosphor herzustellen. Bereits schon jetzt werden solche Versuche 
angebahnt, und in den sogenannten Anti-Phosphor-Feuerzeugen 
wird der langbekannte Zündsatz: Kalium-Chlorat und Schwefel- 
Antimon als durch Reibung entzündliche Masse verwerthet. Hier 
bleiben für den Augenblick noch sämmtliche technische Schwierig-
	        
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