104
tuug verloren liat, seitdem Nord-Amerika sich den Alleinbesitz
des Rohmaterials gesichert hat. Die grössten und bedeutendsten
Spiegelfabriken Frankreichs (von M. Gobain) haben ihr eigenes
Etablissement zur Erzeugung der nothwendigen Salze, als: Soda
und Glaubersalz, und eben die Verwendung dieses letzteren Salzes,
zu welchen unsere Glasfabriken sich so schwer eutsehliessen,
macht es, dass Spiegelgläser und Scheiben von dieser Firma viel
billiger hergestellt* werden, als dieses in Oesterreich möglich ist.
Oesterreich-Ungarn. Die Entwicklung der chemischen
Industrie Oesterreichs begann schon im vorigen Jahrhundert,
konnte aber nicht, ohne auf Hindernisse zu stossen, vorwärts
schreiten. So kommt es, dass sich heute unser Vaterland in
Bezug auf seine Leistungen in der chemischen Industrie anderen
Ländern, wie Frankreich, England, Deutschland nicht ebenbürtig
an die Seite stellen kann. So fehlt beispielsweise die der Expo
sition dieser Länder einen besonderen Glanz verleihende Pracht
der Anilinfarben-Industrie in Oesterreich gänzlich.
B ö h m e n führt uns die chemische Industrie in einem
interessanten Bilde vor, welches die Entwicklung verschiedener
Zweige vom Anfänge des Jahrhunderts bis auf die Gegenwart
verfolgen lässt.
Bekanntlich wurde vor der Fabrication der englischen
Schwefelsäure das Vitriol-Oel in grossem Masse zur Darstellung
des Glaubersalzes verwendet, und ist es diesem Umstande zuzu
schreiben, dass wir speciell in Böhmen viele Fabriken äntreffen,
welche sich mit der Vitriol-Industrie befassen, als deren eigent
lichen Begiündei wir David Stark ansehen müssen. Böhmen und
Mähren stellen das grösste Contingent an Bleizucker, sowie Blut
laugensalz (Hochstetter’sche Fabrik hervorzuheben) und bekunden
den Fortschritt auf dem Gebiete der Glaubersalz-, Soda- und
Salzsäure-Fabricatiou, welche, wie bekannt, erst seit den Fünfziger-
Jahren , in welchen die Regierung den Bezug des Kochsalzes
wesentlich erleichterte, einen bedeutenden Aufschwung zu nehmen
begonnen hat. Von den bedeutenden Sodafabriken nennen wir:
Aussig, Hruschau (Miller & Hoehstetter) und Petrovitz (Graf
Larisch Mönich). Sie sind jedoch noch immer nicht im Stande,