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Full text: Bericht über die Weltausstellung zu Wien im Jahre 1873

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Die italienische Abtheilung zählte nicht weniger als 65 Aus 
steller der chemischen Gross-Industrie*) (worunter freilich ver 
schiedene Fabrikanten von Farbwaaren und Medicamenten). Diese 
immerhin bemerkenswerthe Zahl von Ausstellern verdient um so 
grössere Anerkennung, als bis noch der Mangel an Brennmaterial 
das grösste Hinderniss für die Entwicklung der chemischen 
Industrie gebildet hatte. 
Von den übrigen Ländern haben wir die Schweiz und 
Bussland zu erwähnen. Erstere führt uns eine in grossem 
Aufschwung begriffene Anilinfarben- und Anilin-Industrie, sowie 
die vorzüglichen Producte der mit 3 Bleikammer-Systemen arbei 
tenden Sodafabrik der Gebrüder Schnorf (bei Zürich) vor. Buss 
land bietet uns wenig, aber relativ sehr viel dar. Kryolith-Soda, 
Alaun, Pottasche nach Kopy’s Methode aus schwefelsaurem Kali 
gewonnen, ziehen unsere Blicke auf sich. Wären auf der Aus 
stellung die, grossen Stearin- und Seifen-Fabriken Kusslands ver 
treten gewesen, so hätte man in der Tliat ein recht vollständiges 
Bild der chemischen Industrie dieses Staates vor Augen gehabt, 
in welchem in den letzten Jahren ausserordentliche Anstrengungen 
gemacht worden sind, um die reichen Naturschätze des Landes 
gebührend auszubeuten. 
Was nun specieil unser Küstenland betrifft, so müssen 
wir leider gestehen, dass hier sehr wenig für eine chemische 
Gross-Industrie geschehen ist. Indem wir die Leistungen der 
bestehenden Seifenfabriken anerkennen, sowie auch jene des Pira- 
neser Oonsortiums, müssen wir die Befürchtung aussprechen, 
dass letztes Unternehmen keiner grossen Zukunft entgegensieht, 
da daselbst die Gewinnung der Salze viel schwieriger ist als in 
*) Von den wichtigeren chemischen Fabriken in Italien nennen wii: 
Die erste Sodafabrik (Societä anonima per la iabrieazione della Soda), Ende 
1872 in Livorno gegründet; die überaus strebsame Firma G. Caudiani & Biffi 
in Mailand (Productionswerth SOO.OOO Francs); die seit 1867 bestehende Fabrik 
für Bleipräparate ans sardinischem Blei (Moritsch in Padna), und die 1870 
in Castrocaro bei Florenz entstandene Fabrik für die Erzeugung von Jod, 
Jod-Kalium und Brom aus Salzlaugen (A. Conti).
	        
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