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MAK

Full text : Bericht über die Weltausstellung zu Wien im Jahre 1873

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von  Milo  ihre  schönen  Arme  mit  einem  Spiegel  belastet  haben
soll,  glaubt  man  nicht  mehr,  wohl  aber  verstehen  wir,  warum
die  vornehmen  Frauen  auf  van  Dyk’s  Porträts  die  Spitzenkanten
auf  ihren  Atlaskleidern  so  sorgfältig  vom  Maler  abconterfeien
Hessen,  wie  ihre  eigenen  Züge.  Wir  freuen  uns  des  verwandten
Geschmacks  und  sehen  gern  die  chablonenhafte  Maschinenspitze
wieder  von  der  feinen,  originellen  Handarbeit  verdrängt;  —  ja
unsere  jungen  Patrizierimien  bethätigen  gern  in  der  Imitation
alter  Spitzen  nicht  nur  ihre  geschickte  Hand,  sondern  auch  ihren
gebildeten  Geschmack  beim  Entwerfen  der  Zeichnung,  und  wie
die  Spitze  selbst  das  Kostbarste  unseres  Frauenschmuckes  darstellt, ­
  bildet  die  Kenntniss  von  ihrem  Werth  und  Eigenart  den
Probirstein  für  den  Geschmack  einer  feinen  Dame  unserer  Tage.
Wie  und  wo  die  Spitze  zuerst  erfunden,  ist  nicht  bestimmbar. ­
  Sie  tritt  zuerst  als  durchnähter  und  durchstochener
Leinwandstreifen  auf,  als  „Kante“  (wie  heute  noch  die  Spitzen
benannt  werden),  die  das  Gewand  säumt,  oder  als  Spitze,  die  mit
hervorragenden  Zähnen  „dentelles“  es  überragt,  den  Uebergang
von  der  Gewandfarbe  zu  dem  Glanze  der  Haut  vermittelnd.  Die
ältesten  Ueberreste,  aus  der  zweiten  Hälfte  des  16.  Jahrhunderts
etwa  stammend,  sind  venetianische  Spitzen,  welche  sich  durch
stylvolle  Ornamentik  auszeichnen,  im  Gegensätze  zu  der  sich  später
entwickelnden  naturalistischen  Sichtung  der  belgischen,  französischen, ­
  englischen  und  deutschen  Industrie,  welche  Blumen,  Blätter
und  Banken  auf  zarten  Grund  streut,  um  die  regelmässig  sich
wiederholenden  architektonischen  Muster  zu  zeichnen.  Die  inländische ­
  Giupure,  von  der  ein  Prachtstück  in  der  Kotunde  ausgestellt ­
  war,  folgt  zum  Theil  noch  dem  werthvolleren  ornamentalen ­
  Styl  des  17.  Jahrhunderts.
Von  den  die  Spitzen-Industrie  vertretenen  Ländern  ist  hauptsächlich ­
  Belgien  zu  erwähnen,  welches  auf  diesem  Gebiete  das
Vollendetste  in  Form  und  Technik  ausstellt.  Brüssel,  Mecheln,
Antwerpen,  Valenciennes,  Ypern,  Courtrai,  Brügge,  Gent  und
Allost  wetteifern  mit  einander,  um  sowohl  die  geklöppelten  (dentelles) ­
  als  auch  die  mit  der  Nadel  genähten  Spitzen  (points)  in
unübertroffenen  Mustern  vorzuführen,  so  zwar,  dass  unsere  im
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