MAK

Full text: Bericht über die Weltausstellung zu Wien im Jahre 1873

blumen in Nieder-Oesterreich und vornehmlich in der Hauptstadt 
des Reiches seihst. 
Triest, welches den Ruf geniesst, im Rinden lebendiger 
Blumen einen besonderen Geschmack zu besitzen (die Bouquets 
werden bis London versendet), soll in einer gewissen Aloisia Kercz 
eine berühmte Verfertigerin künstlicher Blumen besessen haben. 
Auch in unseren Tagen besteht in Triest eine gewisse Blumen- 
Ausfuhr in die Levante, die, verbunden mit der Anstelligkeit 
und Gewandtheit unserer italienischen Arbeiterinnen leicht mit 
einiger Unterstützung und Anleitung sich levantinische Märkte 
erobern würde, welche bekanntlich unverhältnissmässige Preise 
für europäische Mode-Artikel zahlen. 
Wenn immer in einem Lande eine Haus-Industrie sich aus 
bildete, lag der Grund in einem Missverhältniss der Produc- 
tionskraft seines Bodens mit der Bevölkerungszahl. Die Nähe der 
Meeresküste würde selbst einem dichter bevölkerten Lande als 
Istrien den Ausweg eröffnen, dass der Mann zur See führe, 
während die Frau in Feld- und Weinbergs-Arbeit ihn vertrete, 
der Erwerb also sich verdoppelte. Für eine Handelsstadt stellt 
sich das Verhältnis noch günstiger, indem hier nicht nur der 
Lohn im Ganzen höher ist, sondern auch Mädchen und mittellose 
Frauen in Magazinen und Arbeitsstuben häufigere Beschäftigung 
finden als auf dem Lande. Darum ist es ein höheres Ziel als das 
einer Haus-Industrie, schlechthin um des meist kargen Erwerbes, 
den sie abwirft, den menschenfreundlicher oder auch nur die Zei 
chen und Bedürfnisse der Zeit begreifender Sinn hier anzustreben 
hätte: Die Volksbildung überhaupt und den sittlichenden 
verfeinernden Einfluss einer reinlichen frauenhaften Handarbeit als 
Förderung nicht der technisch-erwerblichen, sondern der moralisch- 
intellectuellen Erziehungszwecke. Und der Anfang muss bescheiden, 
ja was übler ist, unscheinbar sein. Nicht kunstvolle Arbeit, wie 
z. B. die Klosterschule St. Ursula in Görz sie mustergiltig in 
Spitzenproben, Bunt-Stickereien und Mess-Gewändern ausstellte,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.