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Full text: Bericht über die Weltausstellung zu Wien im Jahre 1873

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losen Abklatsch des Original-Stiches möglich und zur Freude 
.jedes Kunstfreundes den Stahlstich entbehrlich. 
Hingegen erstand dem Kupfer- und Stahldrucke in der 
Lithographie ein mächtiger Concurrent, welcher in kurzer Zeit 
den kalligraphischen Theil des Kupferstiches und -Druckes besei 
tigte und durch Vervollkommnung der lithographischen Kreide 
manier auch dem Kunstdrucke grossen Eintrag machte. Unstreitig 
konnten Kunstblätter aus den Anstalten von Fr. Hanfstängel 
in Dresden, von Lemercier in Paris u. A. neben den schönsten 
Kupferstichen ebenbürtig auftreten. 
Heiden Fächern, dem des Kupferstiches, wie der Litho 
graphie, hat die Photographie*) das Feld streitig gemacht. Dass 
trotzdem in der Wiener Ausstellung der Kunstdruck vom Kupfer 
stiche so zahlreich und so meisterhaft vertreten war, ist ein 
erfreulicher Beweis der Wiederbelebung dieses herrlichen Kunst 
zweiges, um so erfreulicher, als in Folgt 1 starker Bevorzugung 
der photographischen Reproductionen von Seite des Publicums 
die meisten Verleger durch ein Decennium Anstand genommen 
haben, sich an Publicationen von Kupferstich-Werken zu wagen, 
wodurch nicht nur das Proletariat der Stecher ganz verschwand, 
sondern auch die tüchtigsten Kräfte in schwere Bedrängniss 
gerathen sind. 
Heute wie 1867 hat Frankreich sein Uebergewicht an Lei 
stungen im Kupferstich-Fache documentirt; dieses Uebergewicht 
verdankt es der sorgsamen Pflege, welche ihm von Seite der 
Regierung, von Ludwig XIV. bis auf den heutigen Tag zu Theil 
geworden ist. So ist es denn nicht zu verwundern, dass Frank 
reich numerisch am stärksten vertreten war; wir fanden aus 
gezeichnete Stiche von Bertinot, Gaillard, Rousseau etc. Radi- 
*) W von Kaulbach in München vertraute zuerst die ltcproduction 
seiner Cartons der Photographie an und erschienen in bis dahin ungeahnt 
rascher Aufeinanderfolge jene epochemachenden Blätter Goethe’scher Frauen 
gestalten. Neben unbestreitbarer Treue in Wiedergabe der Contouren wurde 
durch die Photographie eine Schnelligkeit des Erscheinens der Ausgaben 
erzielt, wie sie auf keine andere Art möglich gewesen wäre, und dieser 
Gewinn allein war in unserer raschlebigen, ungeduldigen Zeit hoch anzu- 
schlagcn.
	        
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