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Volltext: Bericht über die Weltausstellung zu Wien im Jahre 1873

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Nur die „Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiff 
brüchiger“ war in nennenswerter Weise repräsentiert und hat 
durch ihre Ausstellung ein sehr anschauliches Bild vom Staude 
des Rettungswesens an ihren sturmgepeitschten Küsten gegeben. 
Genannte Gesellschaft brachte folgende Rettungsgeräthe zur 
Darstellung: 
1. hin Rettungsboot mit vollständigem Inventar, erbaut 
von H. Havighorst in Rönnebeck an der Weser. Das Fahrzeug 
ist nach dem Peake’schen Systeme construirt, dessen Haupt 
vorzüge bereits früher geschildert wurden*). 
Die Boote dieser Construction haben sich bei der Rettung 
Schiffbrüchiger bestens bewährt, jedoch ist hier der grosse Mangel 
zu erwähnen, dass sie ihres nicht unbedeutenden Gewichtes (circa 
oO Ctr.) wegen an schwach bevölkerten Küsten, wo es an Zugkraft 
fehlt, nur schwer transportabel sind. 
2. Ein Raketen- Apparat, ebenfalls verfertigt von 
•T. H. Amholz in Bremen. Derselbe wird bei Strandungen an- 
*) Die Eigenschaft der Selbstentleerung erhält das Boot durch 
die doppelten Böden, deren oberer so hoch über der Tiefgangslinie liegt, 
dass im gefüllten Zustande das Wasser nach dem einfachen Gesetzo der 
Schwere durch die mit Ventilen versehenen Entleerungsröhren, welche durch 
beide Böden und den von diesen eingeschlossenen wasserdichten Raum führen, 
abfiiessen muss. Die Wiederau frichtungs- Fähigkeit wird erreicht 
durch die nach Oben gewölbten, mit Korkholz bedeckten kupfernen Luftkasten 
an den beiden Enden des Bootes, welche nicht zulassen, dass im Kenterungs 
talle der Kiel oben bleibt, während zugleich dieser, aus einem 600 Pfund 
wiegenden Eisenstücke bestehend, nach Unten strebt. Unter den Ruderbänken 
sind Seitenluftkästen angebracht, um die Schwimmfähigkeit des Fahrzeuges 
noch mehr zu erhöhen. Der in diagonaler Richtung über einander liegende 
doppelte Umschlag des Bootes ist Eschenholz, die oberen Theile sind theils 
Lichen-, theils Teakholz. Das Fahrzeug ist 28' lang, 7' 0" breit und 2' 7" 
tief. Es besitzt 6 Entleerungsröhren von je 5 7," Durchmesser, welche nach 
dem Vollschlagen in 40 Secunden die ganze Wassermasse nach Unten abführen 
soll. Die Mannschaft hat sich vor dem Besteigen des Rettungsbootes mit 
Korkjacken zu bekleiden, welche genügende Tragfähigkeit besitzen, um bei 
Unglücksfällen den Oberkörper bis zu den Schultern über Wasser zu halten. 
Der Bootswagen ist so construirt, dass er einen möglichst raschen und 
leichten Transport des Rettungsbootes am Strande ermöglicht und demselben 
auf unebenem Terrain eine feste Lage sichert. Er ist aus der Werkstätte 
des Wagenfabrikanten H. Amholz in Bremen hervorgegangen.
	        
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