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gewandt, die in solcher Nähe der Küste stattfinden, dass das
Wrack mit Raketen zu erreichen ist. Auf dem stark und praktisch
construirten Wagen sind in zweckmässiger Weise alle Geräthe
angebracht, welche zu einer Kettung durch Leinenwerk noth-
wendig sind*).
3. Kettungs- und Anker-Raketen, die im königlichen
Feuerwerks-Laboratorium zu Spandau angefertigt worden. Von
den ersteren war schon oben die Rede; sie stellen die Verbin
dung zwischen Strand und Wrack her. In Entfernungen bis zu
350 Schritt trägt das kleinere, 5 Centimeter im Durchmesser
haltende Geschoss die Leine: bei grösseren Distanzen bis zu
500 Schritt kommt die grosse Rakete mit dem Durchmesser
von 8 Centimeter zur Verwendung. Um das Verbrennen der
Leine durch den nach hinten ausströmenden Feuerstrahl zu ver-
verhindern, ist an dem Raketenstabe eine 1'2 Fuss lange Kette
befestigt, an welcher die Schiessleine festgeknüpft wird**).
*) Die aus dem königl. Feuerwerks-Laboratorium zu Spandau hervor
gehenden Rettungs-Raketen, deren Leistungen bisher unübertroffen sind (die
tragen die zollstarko Schiessleine 1300 Fuss weit), stellen zunächst die Ver
bindung mit dem gestrandeten Schiffe in der Weise her, dass sie die Schiess
leine über dasselbe legen. Mittelst dieser Schiessleine ziehen die Schiff
brüchigen einen Block, durch welchen ein dickeres, endloses Tau (Joll-iau)
führt, an sich. Eine an dem Block befestigte Tafel sagt ihnen in deutscher
und englischer Sprache, was weiter zu geschehen hat, der Block wird belu
stigt und nun vermittelst des endlosen Taues das dicke Rettungstau an das
Wrack geholt. Ist dieses nach der Weisung der zweiten Tafel befestigt, so
wird es mit Hilfe eines mittlerweile am Strand eingegrabenen Ankers und
eines starken Flaschenzuges straff gespannt. Darauf wird durch das Joll-iau
ein - arn Rettungstau laufender Korb zum Wrack hinübergeholt und, sobald
einer der Schiffbrüchigen ihn bestiegen, zum Lande zurückgezogen. Zum
Erhöhen des Rettungstaues, dessen straffes Anspannen bei grossen Entfernungen
bedeutende Schwierigkeiten macht, dient ein aus drei hölzernen Stangen
gebildeter Bock.
Besonders erwähnenswerth ist noch, dass die Rollen, um welche die
Schiessleinen gewunden sind, derartig gestellt sind, dass bei der Anwendung
der Raketen ein Leinenbruch kaum mehr Vorkommen kann.
*•) Der grosse Vorzug der Rakete besteht in der geringen Anfangs
geschwindigkeit ihres Fluges; die Leine vermag ihr mit weit grösserer
Sicherheit zu folgen, als einem aus Mörser oder Kanone, abgefeuerten Geschoss,
das im Gegensatz zur Rakete gleich beim Verlassen des Rohres die den