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Full text : Bericht über die Weltausstellung zu Wien im Jahre 1873

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Das  kleinere  Geschütz,  das  nebst  Leine  und  Munition  tornisterartig ­
  getragen  werden  kann,  sendet  eine  dünnere  Leine
ebenfalls  in  beträchtliche  Entfernungen.
Aus  dem  Handgewehr  zum  Leinenschiessen  werden  Langbolzen ­
  von  %  und  1  Kilogramm  geschossen,  die  mit  geringer
Pulverladung  eine  Logleine  100,  respeetive  140  Schritt  weit  zu
führen  vermögen.  Bei  schwachen  Ladungen  kann  man  auch
von  der  Schulter  schiessen:  bei  stärkeren  wird  der  Rückstoss
natürlich  so  arg,  dass  man  das  Gewehr  auf  einer  Lnffete  oder
einem  Gerüst  befestigen  oder  vor  sich  in  den  Sand  stellen  und
knieend  abfeuern  muss.  Dies  Gewehr  kann  zur  Herstellung  der
Verbindung  mit  einem  verunglückten  Schiffe  dienen,  wo  die
Anwendung  des  Raketen-Apparates  aus  localen  Gründen  unthunlich
  ist,  wie  z.  B.  auf  Hafen  -  Molen,  bei  Eisgang  und  bei  Strandungen ­
  kleiner  Fahrzeuge.  Die  deutsche  Gesellchaft*)  hat  versuchsweise ­
  15  ihrer  Stationen  mit  dieser  Waffe  ausgerüstet.
K  o  n  i  t  z  k  y  in  Bremen  stellte  das  Modell  ('/ g  natürlicher
Grösse)  eines  eisernen  Rettungsbootes  aus.  Mit  entsprechenden
Vorrichtungen  für  Selbstentleerung  und  Wiederaufrichtungsstationirt.
  Was  den  Kostenpunct  anbelangt,  so  dürfte  die  Ausrüstung  einer
Station  mit  dem  Cordes’schen  Rettungsgeschütz  und  vollem  Inventar  der
Beschaffung  eines  Raketen-Apparates  gleichkommen.  Der  einzelne  Schuss
aus  jenem  kostet  im  Vergleich  mit  der  kostspieligen  Rakete,  die  sich  indessen,
wie  gesagt,  unter  allen  Umständen  bewährt  hat,  sehr  wenig.
*)  Die  schon  des  Oeftern  genannte  ,Deutsche  Gesellschaft“  wurde,
nachdem  bereits  einige  Jahre  vorher  mehrere  Einzeln-Vereine  für  Rettung
aus-Seegefahr  sich  an  den  deutschen  Küsten  gebildet  hatten,  im  Jahre  1805
provisorisch  und  18G6  definitiv  constituirt  Sie  zählt  30  Stationen  an  der
Nordsee  und  36  an  der  Ostsee.  Ihr  Centralsitz  befindet  sich  seit,  ihrer
Gründung  in  Bremen.  Die  Gesammtzahl  der  Mitglieder  beläult  sich  aut
circa  22.700;  die  jährlichen  Einnahmen  und  Ausgaben  betragen  ungefähr
30.000  Thlr.  Das  Lehen  der  Rettungsmannschaften  ist  gegen  Tod  bei  Rettungs-
  oder  Uebungsfahrten  bei  der  Baseler  Transport-Versicherungsgesellschaft ­
  versichert-  Die  Verwaltung  der  Stationen  liegt  in  den  Händen  der
Bezirksvorstände,  welche  in  allen  grösseren  Hafenplätzen  bestehen.  Dieselben
cornmuniciren  in  technischen  Fragen,  welche  die  Stationen  betreffen,  mit  dem
Inspector  der  Gesellschaft,  welcher  jährlich  ein-  bis  zweimal  sämmtliche
Stationen  revidirt.  Die  Gesellschaft  hat  mit  ihren  Goräthen  bisher  612  Personen ­
  das  Lehen  gerettet.
            
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