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Full text: Bericht über die Weltausstellung zu Wien im Jahre 1873

Kranz von Palästen, welche die, Wien mit den Vorstädten ver 
bindende, Ringstrasse in seltener Weise zieren. 
Halten wir eine Rundschau über diese, unsere Frage nach 
allen Richtungen hin beleuchtenden, Elemente, so gelangen wir 
zu dem Resultate, dass Europa, Hank der Configuration und der 
speciellen Verhältnisse der einzelnen Staaten, von jeher etwas 
Allgemeines in den am meisten bekannten und gepflegten Stil- 
Arten, als: dem antiken, dem christlichen, dem mittelalterlichen 
und dem modernen gezeigt hat, jedoch nicht ohne das Merkmal 
eines eigenthümlichen Gepräges, welches die verschiedenen Na 
tionen den einzelnen Stilen verliehen haben. 
Gegenwärtig jedoch — wo die erleichterten Communica- 
tionen und die vielseitigen Verbindungen der Staaten die Bezie 
hungen unter einander noch inniger gestalten — beginnt auch 
dieses specielle Gepräge allmälig zu verschwinden und einem 
mehr nivellirenden Charakter zu weichen, so dass man im All 
gemeinen behaupten kann, die in der zweiten Hälfte unseres 
Jahrhunderts von dem einen Staate eingeschlagene Kunstrichtung 
auch in einem anderen wiederzufinden. 
Das Studium und die Parallele der einzelnen Baustile führte 
zu der Ueberzeugung, dass alle architektonischen Systeme gut 
sind, und dass demjenigen der Vorzug zu geben sei, welches, 
von Fall zu Fall, dem Zwecke, dem Charakter und den Verhält 
nissen der Construction am besten entspreche. Die exceptionellen 
Zustände einiger Städte, wie Venedig, weiche in früheren Zeiten 
beinahe gleichzeitig alle Stil-Arten behandelten, ohne eine eigene 
zu besitzen, unterstützte diese Ansicht, und es fehlte nicht die 
Zustimmung ausgezeichneter Gelehrten, welche dieser Theorie 
ihre Bestätigung ertheilten. 
In der That. Auch in Wien beginnt man seit wenig Jahren 
Bauwerke jeden Stiles zu errichten, und begegnet man hier 
Fajaden, welche byzantinischen, gothischen, maurischen, etrus 
kischen und selbst egyptischen Motiven entnommen sind. 
Heutigen Tages aber, soviel als in der Ausstellung und 
ausserhalb derselben zu sehen war, scheint im Allgemeinen die 
constructive Aesthetik einem besseren Ziele zugeführt zu werden.
	        
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