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Full text: Bericht über die Weltausstellung zu Wien im Jahre 1873

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Das zur Verwendung kommende Material ist das im Lande 
gebräuchliche, daher billigste, und so finden wir hier den Back 
oder Trockenstein, dort den Bruchstein benützt. Das Holz, 
als treffliches Material für Stiegen, Decken und Biegelwände, 
findet die weiteste Anwendung, und alle Anordnungen sind ge 
troffen, um die grösste Oekonomie in den Baukosten zu erzielen. 
Die Grenze der Oekonomie ist jedoch unseres Erachtens 
noch nicht erreicht und könnte viel weiter getrieben werden, 
wollte man sich des Gussmauerwerkes bedienen, welches neben 
den Vorzügen der Trockenheit, Dauerhaftigkeit und Feuersicherheit 
noch den der billigeren Herstellung (Vermeidung der theuren 
Handarbeit, Abkürzung der Bau-Ausführung, Entfall des Holzes 
u. s. w.) bietet. Wie sehr aber gerade das letztere Moment bei 
den zu Hunderten nach dem gleichen Muster herzustellenden 
Arbeiterhäusern ins Gewicht fällt, braucht eben nicht weiter 
hervorgehoben zu werden. Wir waren daher sehr erstaunt, bei 
den zahlreichen Versuchen, die man mit dem Gussmauerwerk in 
England, Frankreich und Deutschland gemacht hat, dasselbe bei 
den auf der Ausstellung vertretenen Arbeiterhäusern gar nicht 
in Anwendung gebracht zu sehen. Ein einziges macht hievon 
eine Ausnahme. Es ist dies ein im Modell vorgeführtes, welches 
vom Berliner Baumeister Hoffmann auf dem Grundstücke der 
Stettiner Portland - Cement - Fabrik in Zillchow nach Hagen’s 
Gewölbtheorie aus Cement-Concret hergestellt worden ist. Wir 
bedauern, bei demselben genauere Angaben über Herstellungs 
kosten zu vermissen, zweifeln aber nicht, dass dieselben, vergli 
chen mit dem üblichen Bausysteme, eine Preisverminderung von 
wenigstens 30 Percent bieten und durch das Zusammenwirken 
anderweitiger günstiger Umstände bei ganzen Arbeitervierteln 
wohl auf 40 bis 50 Percent steigen dürften. 
Bedarf es noch einer anderen Thatsache, um Fabriksherren, 
Actien-Gesellschaften und Bau-Unternehmungen auf die hohe 
Wichtigkeit des Gegenstandes aufmerksam zu machen, ganz ab 
gesehen davon, dass dessen Studium jedem strebsamen Fach 
manne. der ein wenig fortschrittlichen und wirthsehaftlichen Sinn 
besitzt, von hohem Interesse sein muss. Fried. Bömches.
	        
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