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Full text : Bericht über die Weltausstellung zu Wien im Jahre 1873

Sehr  insfcructiv  erschien  dagegen  die  Unterrichts-Ausstellung
von  Britisch-Iudien.  Eine  reichhaltige  Sammlung  von  Photographien ­
  und  Zeichnungen  belehrt  uns  über  das  gesammte  Erziehungswesen ­
  in  allen  Theilen  Indiens.  Unter  den  übrigen  sehr
interessanten  Objecten  dieser  Abtheilung  glauben  wir  einen
Globus  aus  Cocos-Nuss  und  ein  Buch  aus  Tuch,  als  Schiefertafel
in  den  Normalschulen  von  Myssore  gebraucht,  hervorheben  zu
sollen.
Wenn  uns  nicht  schon  anderweitige  Berichte  darüber  belehrt
hätten,  wie  schlecht  es  noch  mit  der  Volksbildung  in  Portugal
steht,  die  Weltausstellung  hätte  uns  dafür  die  Augen  geöffnet.
Was  dieser  Staat  in  der  26.  Gruppe  exponirt,  war  ebenso  leicht
als  unbeschadet  zu  übersehen;  in  dem  portugiesischen  Schulhause
abei  mochte  Mancher  an  die  Apotheke  denken,  die  Shakespeare’s
Romeo  im  tünften  Act  beschreibt.  Wie  reich  erschien  dagegen
Spaniens  Ausstellung  von  Unterrichts-Gegenständen,  und  doch
möchten  wir  nicht  behaupten,  dass  Spanien  in  Betreff  der  Volksbildung ­
  auf  einer  viel  höheren  Stufe  stehe,  als  sein  Nachbarstaat ­
  *).
Was  wir  oben  über  das  Unterrichtswesen  in  England  gesagt,
gilt,  obschon  mit  einiger  Beschränkung,  auch  von  Frankreich.
Auch  hier  ist  für  höhere  Ausbildung  durch  zahlreiche  Lvceen,
Collegien,  Seminarien  und  Facultäten  gut  gesorgt;  allein  der
eigentliche  Volks-Unterricht  steht  namentlich  in  den  südlichen
und  westlichen  Departements  noch  auf  einer  sehr  niederen  Stufe.

’)  Lehr-Anstalten  sollen  zwar  hinreichend  vorhanden  sein,  ja  durch  die
über  ganz  Spanien  verbreiteten  Juntas  für  die  Priraar-Instruction  ist  wirklich
schon  Manches  für  die  Hebung  des  Elementar-Unterrichtes  geschehen  (im
.1.  18ol  zählte  man  schon  22.000  öffentliche  Normal-  und  Volksschulen  mit
S40.000  Schülern;  jetzt  weit  über  2G.000  Elementar-Schulen  mit  nahe  1  V a
Million  Schülern);  allein  Vieles  ist  leider  nur  nominell.  Auch  die  Ausstellung
konnte  uns  nicht  befriedigen.  Auffallend  war  wohl  hier  die  grosse  Anzahl
von  pädagogischen  Werken,  von  kalligraphischen  Vorlagen,  grammatischen
und  mathematischen  Lehrbüchern:  welche  Richtung  jedoch  im  Ganzen  vorherrsche, ­
  darüber  konnte  uns  die  ebenso  ansehnliche  Menge  von  Erbauungsschriften ­
  für  die  Jugend  belehren.  Das  Walten  des  grossen  Tyrannen  zittert
in  diesem  unglücklichen  Lande  eben  noch  nach  drei  Jahrhunderten  nach.
            
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