569
Zu den Ausstellung«- Gegenständen übergehend, glauben
wir vor Allem bemerken zu müssen, dass Böhmen die meisten
Modelle, Ansichten und Pläne, Nieder-Oester reich, namentlich
Wien, den grössten Tlreil der Lehrmittel, die anderen Kronländer
hauptsächlich Schüler-Arbeiten und Programme vorlegten.
Allgemeiner Anerkennung erfreute sich mit Becht das Modell
des von dem Keichsraths - Mitgliede Dr. A. Buss erbauten
und erhaltenen zweiclassigen Schulhauses zu Schönpriesen in
Böhmen. Nicht geringeren Beifall fanden die rotirenden Schultafeln
von Hi eher (Tattendorf) und J. Fuchs (Wien), ln seinen
Normal-Lehrplänen für Volksschulen hat Landes-Schulinspector
Klodic dadurch, dass er denselben die Ministerial-Verordnung
vom 14. Mai 1869 zu Grunde gelegt, im wahren Sinne des
Wortes ein Kunststück geliefert. Sehr iiistructiv sind die von
dem Lehrer J. Grimme (Baden) ausgestellten und viel bewunderten
Anschauungsmittel zu einigen Lesestücken; ob sie praktisch
sind, wagen wir zu bezweifeln *).
— denn da kommen noch manche andere Factoren in Betracht — auch nicht,
dass der Schulzwang nicht überall mit der nöthigen Energie geüht wird.
Aber sie beweisen, dass noch in den meisten Kronländern keine genügende
Anzahl Elementar-Sehulen vorhanden sind, dass diese in einigen wohl verdoppelt,
ja verdreifacht werden sollten. Wenn wir nämlich nach dem obigen
l’ercentsatze für ganz Cisleithanien nur 3 Millionen schulpflichtiger Kinder
annehmen, so ergibt sich, da nach den statistischen Berichten im Ganzen
höchstens 1,950.000 noch im schulpflichtigen Alter stehende Kinder wirklich
eine Schule besuchen, das Verhältnis der einen zu den anderen wie 100.65,
das heisst: ein gutes Drittheil wächst ohne allen Unterricht auf.
*) Würde man nicht, dieses Beispiel allgemein durchgetührt, eine ganze
liüstkammer brauchen, um nur den Inhalt eines einzigen Lesebuches dergestalt
zu versinnlichen V Oder sollte man dergleichen Anschauungsmittel
nicht wenigstens beschränken auf die den Kindern ra e h r fern liegenden
Gegenstände, als es eben „das Schaf, der Lein, die Biene 1, sind i Lud bleibt
nicht auch eine derartige Versinnlichung noch immer höchst mangelhaft?
Schliesslich aber, wie viel Zeit kann hei einem derartigen Vorgänge noch lüi
die sprachliche Behandlung der Lesestücke bleiben V Sprachkenntnisse können
unserer Ansicht nach nur durch Unterricht vermittelt werden, Naturkenntnisse
auch durch populäre Schriften: das Gegentheil wäre wohl schwerer zu erweisen.
Man lasse sich also von keiner falschen Sentimentalität (Dr. W. Schradei,
Erziehung«- und Untcvrichtslchre, 1873, B. 445) abhalten und betreibe die