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Verarbeitung einer goldhaltigen Koh-Platinmenge im Werthe von
26 Millionen Francs! Dieselbe Firma brachte ein 4728 Gram,
schweres Stück gediegenes Platin, dann eine Legirung von Platin
und Iridium, welche zur Herstellung von Zündlöchern für schwere
Geschütze und zu Normal-Maassen und Normal-Gewichten ver
arbeitet wird.
Schwefelsäure-Production und Soda-Industrie sind Begriffe,
die sich bisher gegenseitig ergänzten. — Ohne Schwefelsäure
keine Soda, deren Eohmaterial im Chlor - Natrium, dem Stein-
und Seesalze gegeben ist, und ohne dem fast unermesslichen
Verbrauch von Soda natürlich auch kein Aufschwung in der
Schwefelsäure-Production. — Bisher begründete sich die Soda-
Industrie auf dem historisch berühmten Leblanc’sehen Processe,
in welchem das Chlor-Natrium zuerst in Natrium-Sulphat um
gewandelt wird, um sodann aus diesem Natrium-Sulphid und Soda
abzuleiten. Die Zahl der Vorschläge und Versuche, unmittelbar
aus Kochsalz Soda herzustellen, ist bereits seit geraumer Zeit
zum Gegenstände einer voluminösen Literatur geworden, doch
keiner der Versuche war bisher über die Grenzen wissenschaft
licher Laboratorien hinausgekommen. — Die Ausstellung der
belgischen Firma Solvay & Comp, in Couiilet bei Charieroi brachte
nun, als hervorragendstes Object der ganzen chemischen Section,
Proben einer durchgeführten Soda - Fabrication nach der von
Schlösing vorgeschlagenen Methode, mittelst welcher das Chlor-
Natrium unmittelbar durch Einwirkung des Ammoniak - Bicar-
bonates in Soda umgewandelt wird. Zwar hatten schon 1838
Hemmiug, Dyar, Gray und Harrison ein Patent auf das genannte
Verfahren genommen, und in den letzten Jahren hatte auch der
schottische Paraffin-Fabrikant James Young die Apparate bereits
so weit verbessert, dass die bisher erheblichen Verluste von
Ammoniak auf ein Minimum reduoirt wurden; aber die belgische
Firma Solvay hat zuerst das Verdienst, den iangbekannten theo
retischen Proeess in der Gross-Industrie praktisch durchgeführt
zu haben, da die genannte Fabrik täglich bei 14.000 Kii. un-