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Full text: Bericht über die Weltausstellung zu Wien im Jahre 1873

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Zwei deutsche Chemiker, Graebe und Liebermann, entdeckten 
1868, dass Alizarin sich theoretisch vom Anthracen, einem Kohlen 
wasserstoffe des Theeres, al»leiten lasse, und 1869 gelang den 
selben die wirkliche Darstellung des Farbstoffes. — Durch Ein 
wirkung von Brom-Dampf auf Anthrachinon, ein Oxydations- 
Product des Anthracens, und durch Behandlung des so erhaltenen 
Brom-Derivates mit einer alkoholischen Kali-Lösung wird alizarin- 
saures Kali gebildet, aus welchem auf Zusatz einer Säure das 
Alizarin in schönen gelbrothen Flocken ausgefüllt wird. Durch 
diese Darstellungsmethode ist gleichzeitig das bisher schwer all 
gemein verwendbare Brom zu einem bedeutenden Handelsartikel 
geworden, und wir hoffen, dass unserer nationalen Brom-Industrie 
in Pirano Gelegenheit geboten sei, einen entsprechenden Absatz 
zu finden. — Seit 1870 hat Deutschland die. Alizarin-Industrie 
aufgenommen und zählt bereits 12 sehr bedeutende Fabriken, 
während Frankreich und England in Folge der Schutz-Patente 
nur je eine besitzen. — Für 1873 beziffert sich die Gesammt- 
Production von künstlichem Alizarin bereits mit 22.000 Otr. von 
10 7« Alizarin-Pasta im Werthe von 12 Millionen Mark, wovon 
ungefähr 15.000 Ctr. aut Deutschland allein entfallen. — Das 
Rohmaterial lür die Alizarin-Darsteliung ist im Steinkohlen-Theer 
geboten, und einTheer mit nur 0-5 •*/,. Anthracen-Gehalt lohnt noch 
die Ausbeute dieses Rohstoffes, so dass bereits 1872 ungefähr 
la.000 Ctr. 40 proc.-halt. Anthracen im Werthe von mehr als 
3 Millionen Mark aus England, Holland, Deutschland und Frank 
reich als Handelswaare in Umsatz kamen. Die Wiener Ausstellung 
bot mannigfache Gelegenheit, dieses Anthracen mit seiner selt 
samen blauen Huorescenz in grösseren reinen Mengen bekannt 
zu machen. 
Diese, neu entstandene Alizarin-Industrie lässt sich im Augen 
blicke bezüglich ihrer Folgenwirkungen noch gar nicht ermessen, 
wenn bedacht wird, dass der Krapp-Anbau nach und nach auf 
gelassen und der dazu benützte Culturboden zum Anbau von 
anderen agricol wichtigen Nutzpflanzen zurückgegeben wird. Schon 
jetzt ist es vorauszusehen, dass bereits in der nächsten Zukunft 
der Handel mit Krapp-Wurzeln und Krapp-Präparaten eine be-
	        
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