MAK

Full text: Die moderne Wohnung und ihre Ausstattung

gerichteten Wohnung nicht im 
Widerspruch stehen, wenn wir im 
Speisezimmer oder im Raume, den 
wir gewöhnlich Salon nennen, den 
unsterblichen Werken der höheren 
Tonkunst lauschen und in einem 
dieser Zimmer das Klavier und 
den Notenschrank aufstellen. Aber 
da sind wir schon in arger Ver 
legenheit. Das Klavier in seiner 
heutigen ungeheuerlichen Form 
paßt zu den schlanken, raum 
sparenden Möbeln noch viel 
weniger als es zu den altdeutschen 
oder sonstigen »stilgerechten« Ein 
richtungen gepaßt hat. Es verstellt 
in den verhältnismäßig kleinen 
Wohnzimmern den besten Raum, 
steht breit und sperrig da und 
zerstört jede irgendwie versuchte 
harmonische und zweckvolle Glie 
derung des Gemaches. Es ist 
überhaupt ein Möbel, das, zwar, wenn seine Seele ausklingt, der mächtigsten, 
erschütterndsten und himmlischesten Wirkungen fähig ist, in seiner 
äußerlichen Erscheinung ein wahres Scheusal genannt werden muß, das 
wegen seiner höchst unpraktischen Form am allerwenigsten als eigentliches 
Hausinstrument gedacht zu sein scheint, ln den Zeiten, da Schubert 
am Klavier saß, da hatte dieses Instrument eine Form, die mit 
dem übrigen bürgerlichen Hausrat im Einklang stand. Es hatte eine 
schmächtige, zierliche, fast elegante Form und fiel nirgends plump aus 
dem Rahmen der gesamten Wohnungskunst, wie es das heutige tut. Es 
wuchs sich selbständig und unabhängig aus und gewann solcherart 
Schrank (Lackmöbel) von Architekt Max 
□ □ ßenirschke. □ □ 
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