Bequemlichkeit nimmt, während der
Parvenü des 19. Jahrhunderts all
sein Behagen hingibt für das bischen
Talmiglanz einer »stilgerechten«
Wohnung. In der Tat mußte der
ganze Reigen historischer Stile in
atemloser Hetze wiederkehren, ehe
man wieder zu dem vernünftigen
Standpunkte zurückfand, auf dem
bereits unsere Großeltern standen.
Die ganze Barocke hat nicht eine
Formübriggelassen,diefürdieheutige
Kultur brauchbar wäre. Sie bedeutet
einen Abschluß. Die Revolution
hat sie samt dem ganzen absolu
tistischen Königtum hinweggefegt.
Ein strammer militärischer Zug geht
durch die nächsten Jahrzehnte. Der
kaiserliche Stil trägt den Bedürfnissen
der Zeit Rechnung, aber Empire
ist noch sehr aristokratisch. Mit dem Glanz der Napoleonzeit ver
schwand auch der Empire-Stil; aus dem Kosmopolitismus und seinem
politischen Katzenjammer flüchtete man ins alte romantische Land,
Uhland, Eichendorff, Schubert weckten die schwärmerische Liebe
zur Natur, und ein Einschlag des ländlichen Elements, wohl auch
schon damals der Einfluß Englands in Modedingen, führte zu den
biederben, quadratischen und zylindrischen Formen des Biedermeier-
Möbels, an dem Reminiszenzen aus dem Barock- und Empire-Stil als
dekorative Details hängen blieben. Das Bürgertum schafft die Formen,
die es braucht. Es will nicht glänzen, nicht präsentieren, sondern bequem
und behaglich leben. Es erfüllt seine Forderungen mit strenger Sachlichkeit
und zugleich mit einem Erfindungsreichtum, der erstaunlich ist. Unsere
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