0 Ästhetik des Eßtisches. O
Es war eine geistreiche Dame, die bei einem Diner, das sie für eine
große Gesellschaft veranstaltete, folgendermaßen verfuhr: Nach dem
Grundsätze, den die Römer schon kannten, daß eine Tischgesellschaft
nicht weniger als die Zahl der Grazien und nicht mehr als die Zahl der
Musen betragen sollte, verteilte sie die zahlreichen Gäste an ebensoviele
Tische als nötig waren, um die gesegnete Zahl herzustellen. Und sie
stimmte jeden Tisch auf eine andere Farbe. Sie hatte sich mit den Damen
ins Einvernehmen gesetzt, und sie mußten ihre Toilette der Farbe ihres
Tisches anpassen. Selbst die Tischtücher mußten Farbe bekennen, und
man sah die ganze Skala des Regenbogens vertreten, ja sogar ein
schwarzes Tischtuch war vorhanden. Die Blumen wurden dementsprechend
gewählt und verteilt. Die geistreiche Dame hatte von ihrer meisterhaften
Anordnung eine außerordentliche Wirkung erwartet und die Wirkung
war außerordentlich. Sie war nämlich außerordentlich geschmacklos. Sie
war so geschmacklos, daß man wirklich sehr geistreich sein muß, um
dergleichen einmal begehen zu dürfen. Sie hat es sicherlich nicht wieder
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