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MAK

Full text : Die moderne Wohnung und ihre Ausstattung

wollen,  daß  es  da  noch  etwas  zu  reformieren
gibt  Da  gab  aber  eines  Tages  ein  einarmiger
General  den  Anstoß  zu  einer  Revolution.  Der
wollte  eine  Gabel,  mit  der  er  nicht  nur  spießen,
sondern  auch  schöpfen  und  nötigenfalls  auch
schneiden  konnte.  Die  Gabel  wurde  gefertigt;
sie  besaß  eine  flache  löffelartige  Form  mit  drei
kurzen  Zinken,  so  daß  man  damit  bequem
spießen  und  zugleich  Sauce  fassen  honnte.
Diese  Gabel  ist  sicherlich  der  reformierteste
Teil  des  Reformbesteckes.  Sie  dürfte  allgemeine
Annahme  finden,  denn  auch  von  der  hygienischen
Seite  her  ist  ihr  Angenehmes  wegen  ihrer  leichten
Reinbarkeit  nachzusagen.
ln  den  Ansprüchen,  die  wir  in  ästhetischer
Hinsicht  an  den  Eßtisch  stellen,  prägt  sich  ein
guter  Teil  unserer  Erziehung  und  unserer  persönlichen ­
  Kultur  aus.  Die  Mahlzeiten  sind  Feste  des
Leibes,  die  bei  Homer,  der  von  seinen  Helden
getreulich  berichtet,  wann  sie  die  Hände  zum

lecker  bereiteten  Mahle  erhoben,  eine  Art  fröhlicher  Standuhr  von  Arch.  Prof.
^  .  ,  ,  .  _  ,  ,  □  Joseph  Hoffmann.  □
Gottesdienst  werden.  Der  Adel  der  Form  kommt
später  hinzu.  Es  genügt  dem  Kulturmenschen
nicht,  daß  das  Mahl  lecker  bereitet  sei.  Die  schöne  Form  ist  nicht  zu
entbehren.  Sie  ist  das  halbe  Essen.  Die  ästhetische  Förderung  wird

geradezu  zur  körperlichen.  Eine  gewisse  absolute  Schönheit  des  Eßtisches
hat  sich  herausgebildet,  die  sich  mit  Einfachheit  wohl  verträgt  und  die
nur  eine  Verschiebung  hinsichtlich  der  Kostbarkeit  verträgt.  Diese  ist
aber  sicherlich  zu  entbehren.  Eine  Sehnsucht  nach  Schönheit  geht  durch
unser  Zeitalter.  Wenn  nichts  fruchtet,  will  man  wenigstens  »in  Schönheit
sterben«.  Das  ist  gewiß  sehr  edel,  aber  anmutsreicher  ist:  »in  Schönheit
leben«.  Und  dazu  gehört:  »in  Schönheit  essen«.

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