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Full text: Amtlicher Catalog der Ausstellung der im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder Österreichs - Welt-Ausstellung 1873 in Wien

GRUPPE IV« 
Nalmmgs- und Gexmssmittel als Erzeugnisse der 
Industrie. 
Das Gebiet der landwirthschaftlichen Industrie ist in Oesterreich fast 
in den meisten Gebieten ausserordentlich entwickelt. Die weite Ebene 
der Donau und die Wasserkraft derselben, die zahlreichen und ausgiebigen 
Wasserkräfte in Böhmen, Nieder- und Ob er Österreich sind, wie natürlich» 
die glückliche Grundlage dieser Industrie-Entwicklung. Dazu hat man in 
den letzten Jahren auch noch die Dampfkraft mit zur Arbeit herbei 
gezogen, und es ist begreiflich, dass so das Bild der landwirthscliaftlichen 
Industrie in Oesterreich ein sehr lebendiges ist. Längs aller Ströme und 
Flüsse Oesterreichs sind Schiffsmühlen bis zu Hunderten an den Ufern 
für die Erzeugung von Mehl, Graupen und anderen Mahlproducten thätig. 
Sie decken den gestaunten Bedarf der Monarchie, denn die Einfuhr von 
400.570 Ccntnern Mahlproducten in die deutsch-österreichischen Länder 
bringt nur feine Sorten, wie Tapiocca, Sago, Arrowroot, Maccaroni u. dgl. 
und wird durch eine Ausfuhr von 2,949.987 Ccntnern im Jahre 1870 voll 
ständig aufgewogen. Dazu kommt noch eine Ausfuhr von 18.051 Centncm 
Brod und Teigwerk, der eine Einfuhr von 54.409 Centnern gegenübersteht. 
Die Zucker-Industrie vertritt entweder die Raffinirung des ein- 
geführten Zuckermekles, die freilich verschwindend ist, oder die selbst 
ständige Zucker-Erzeugung aus der Zuckerrübe; sic ist in unglaublicher, 
heute fast gefährlicher Schnelligkeit gewachsen, wie wir gleich zeigen 
wollen. Sie hat ihren Hauptsitz in Böhmen, Mähren, Niederösterreich und ' 
Ungarn. Während im Jahre 1800 in ganz Oesterreich 120 Fabriken 
bestanden, bestehen heute 200 Fabriken, wovon auf Böhmen allein 101 
grosse Etablissements entfallen. Die in den heute bestehenden Fabriken 
verarbeitete Zuckerrübe beträgt 25 Millionen Centner, eine 250fachc Ver 
mehrung in 30 Jahren, denn im Jahre 1840—1841 verarbeitete man kaum 
100.000 Centner. Der heute nöthige Bau der Rübe erstreckt sich über 
je 3 Quadratmeter per 1000 Quadratmeter, macht also der übrigen 
Agricultur, wie man glaubt, keinen besonderen Eintrag. Die Summe des 
im Jahre 1870 exportirten Zuckers beträgt im Ganzen 1,311.134 Zollcentner.
	        
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