GRUPPE IX,
Stein-, Thon- und Glaswaaren.
Die Thonwaaren-Production zerfällt in mehrere wichtige Zweige,
«nfer denen die Porzellanfabrikation eine hervorragende Stellung einnimmt
Von den 21 Porzellanfabriken Oesterreichs entfallen 13 auf Böhmen allein.
10 solche Fabriken befinden sich in der Umgebung von Carlsbäd. Es
werden dabei an 3700 Arbeiter beschäftigt, worunter 700 Dreher und
mehr als 500 Maler. Der Werth des gesummten Porzellan-Erzeugnisses
mag 6 Millionen Gulden betragen. Es gibt über fünftausend Ziegelbrennereien
in der Monarchie, wovon gegen 1600 in Böhmen. Die bedeutendsten
sind in der Umgebung Von Wien. Das Gcsammterzeugniss ist
durchschnittlich weit mehr als 1 Milliarde Stück, wovon auf die Zicgelbrennerei
bei Wien am Wienerberge im Jahre 1870 allein 120 Millionen
Stück diverser Ziegel fallen; hat doch dieses Etablissement, eine Acticn-Gesellschaft,
allein im Jahre 1872 schon 166,800.000 Stück diverser Ziegel
erzeugt. Die Drainageröhren werden vorzüglich in Böhmen, Oesterreich,
Salzburg und Steiermark in einer Menge von 20 Millionen Stück und einem
Werth von l'/ 2 Millionen Gulden erzeugt.
Die Terracottawaaren-Erzeugung, die Erzeugung von Bauverzicrung
und Statuen, ein verhültnissniüssig noch neuer Productionszweig, beschränkt
sich auf zwei grosse Fabriken in der Nähe Wiens und Salzburgs.
Eine besondere Industrie hat Böhmen in seiner Thonpfeifen-Erzeugung
im Reichenberger und Pilsener Bezirk. Hier werden jährlich an
2‘,4 Millionen Thonpfeifen durch Handbetrieb mit acht- bis zehntausend
Stuck per Tag erzeugt. Es gibt in der ganzen Monarchie zehn Fabriken
für diesen Artikel und werden über 7 Millionen Stück Pfeifenköpfe jährlich
im Werthe von etwas mehr als 1 Million Gulden erzeugt.
Die Steingut-Erzeugung wird in 108 Oefen betrieben, wovon gleichfalls
wieder die meisten auf Böhmen entfallen. Terralith- und Siderolithwaaien
werden vorzüglich in Böhmen bei Teplitz, Carlsbad u. s. w. und
in einer Fabrik in Nieder-Oesterreich erzeugt und haben einen bedeutenden
Markt in Amerika.