Gruppe XIV.
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Zunelimen begriffen. Doch ist München mit seiner Erzeugung wissen
schaftlicher Instrumente ein ganz bedeutender Rivale auf allen Märkten.
Was die optischen Instrumente anbelangt, ist Wien seit Langem ein
hochberühmter Erzeugungs- und Handlungsort. Die Sternwarten, die
technischen Schulen, die Hochschulen der meisten Länder haben von
dorther ihre Apparate bezogen. Die Präcision, die Solidität und zu gleicher
Zeit die Preis Würdigkeit sind bekannt. Dennoch aber findet auf diesem
Gebiete ein bedeutender Import optischer Gläser, Fernröhre, Theater-
Perspective und Mikroskope aus Frankreich statt, welches Land hinsicht
lich der optischen, für den gewöhnlichen Gebrauch bestimmten Instrumente
einen allen Staaten überlegenen Standpunkt einnimmt. Ist hier die Gross
fabrikation die Grundlage der Bedeutung, so ist gerade in Oesterreich die
Zersplitterung der gesammten wirtkschaftlicken Unternehmung die Grund
lage der Inferiorität; einer der Hauptgründe dieses Uebelstandes mag
auch darin liegen, dass das Hauptmaterial zur Erzeugung optischer
Instrumente, das Crown und Flintglas, nicht im Lande erzeugt wird.
Uebrigens erzeugt Graz im Grossen Brillengläser und werden besonders
von Wien aus nicht unbedeutende Quantitäten fertiger Brillen nach den
Donauländern und dem Oriente exportirt.
Es mögen im Ganzen bei den verschiedenen Zweigen dieser Industrie
an 2500 Arbeiter beschäftigt sein und der gesammte Productäonswerth
wol mehr als % Million Gulden betragen.
Eine ganz bestimmte Bedeutung nimmt die Erzeugung der chirur
gischen Instrumente in den alten Universitätsstädten Wien und Prag ein.
Die wissenschaftlichen Bestrebungen der Universitäten bilden die Grund
lage und beständige Anregung für diese Industrie, ebenso wie zum Theile
die ausländischen Muster. Die Billigkeit, Zweckmässigkeit und Eleganz
haben den Arbeiten in Amerika und England, Deutschland und Frankreich
einen ganz bedeutenden Absatz verschafft. Den inländischen Bedarf deckt
das Land vollständig selbst. Nur jene aus Kautschuk erzeugten chirur
gischen Behelfe kommen aus der Fremde, ebenso wie einzelne orthopädische
Artikel nach dem Inlande. Es mögen etwas mehr als 500 Arbeiter auf
diesem Gebiete beschäftigt sein und beträgt der Gesammtwerth des Pro-
ductes mehr als % Million Gulden.
Die Gesammtheit der Einfuhr mathematischer, physikalischer und
chirurgischer Instrumente betrug im Jahre 1870 an 3618 Zollcentner, die
Ausfuhr 2814 Zollcentner.
Zum Schlüsse sei hier erwähnt, dass in der österreichischen Monarchie
eine Summe von 2220 geographischen Meilen Telegraphen-Linien bestanden,
deren Drähte eine Länge von 5497 Meilen repräsentirt. Diese hier zur
Geltung kommende fortschreitende Entwicklung, in Verbindung mit ein-