GRUPPE XVI
Heereswesen.
Um die Entwickelung der Industrie zu kennzeichnen, welche das
Militär- und Heereswesen befördert, geben wir eine kurze Darstellung
der österreichischen Heeresstärke, sowol im Frieden als im Kriege.
Oesterreich hat im Kriege, die oberste Centralleitung und die Behörden
mit den gesummten Linientruppen verbunden, im Jahre 1870 eine Stärke
von 805.193 Mann mit 122.G03 Pferden, im Frieden eine Gesammtsumme
von 350.143 Mann, wovon etwas mehr als GG.000 Pensionisten und Inva
liden. Die Zahl der Pferde im Frieden beträgt 45.800. In der Summe
dieser Truppen nehmen die Genietruppen und Pionniere, ebenso wie die
Artillerie, durch den Umfang der ihnen nothwendigen Ausrüstung auch
in der Bedeutung des Militärs für die Volkswirthschaft eine besondere
Stelle ein.
Die Bewaffnung und Equipirung steht unter besonderen Directionen,
welche in den einzelnen Ländern ihre Sitze haben. — Die Arbeiter der
verschiedensten Sorten: Schuster, Schneider, Sattler u. s. w. werden aus
den einzelnen Corps herausgezogen und den Equipirungs-Commissionen zur
Bestreitung der Bedürfnisse und zur Bereitung der nöthigen Yorräthe bei
gegeben. Sie verarbeiten das durch die Privat-Industrie bereitete Roh
material und Halbfabrikat und liefern die fertigen Equipirungs- und Aus
rüstungs-Artikel, bis auf die Wäsche, an die einzelnen Regimenter. Die
einzelnen öffentlichen Staats-Etablissements sind, da sie den Fortschritten
der Industrie folgen, überaus leistungsfähig. In den letzten Jahren hat
der Staat für die Erzeugung und Herstellung von Militärtüchern u. dgl.
mit einer grossen Industrie-Firma Lieferungs-Verträge abgeschlossen und
dieser gewissermassen monopolistische Stellung gegeben. Es ist dies der
Vertrag mit der Firma Skene & Comp., welcher keineswegs zahlreiche
Anerkennung im Inlande gefunden hat, besonders in jenen Gebieten, wo,
wie im Budweiser Kammerbezirke, zahlreiche kleine Weber, die sich mit
der Erzeugung grober Militärtücher beschäftigten, durch das Monopol der