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Full text : Amtlicher Catalog der Ausstellung der im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder Österreichs - Welt-Ausstellung 1873 in Wien

GRUPPE  L

Berg-  und  Hüttenwesen.
Oesterreich  ist  in  den  meisten  seiner  Länder  mit  unterirdischen
Schätzen  reich  gesegnet,  so  dass  es  in  Bezug  auf  seinen  Bergbau  einen
der  ersten  Plätze  in  Europa  einnimmt.  Alle  Metalle  und  Mineralien,  mit
alleiniger  Ausnahme  des  Platins,  werden  hier  gefunden  und  alle  Kronländer
nehmen  an  dem  Bergbaue  Theil.  Im  Jahre  1869—1870  betrug  der
gesummte  Werth  der  Bergproducte  100,000.000  Gulden.  Ungarn,  Galizien
und  Böhmen  nehmen  von  demselben  den  grössten  Theil  für  sich  in  Ansnruch.
  Das  Salz  ist  dabei  betheiligt  mit  einem  Werthe  von  20,400.468  fl.
Die  Zahl  der  beim  Bergbaue  beschäftigten  Arbeiter  beträgt  seit  dem
Jahre  1870  durchschnittlich  140.000  Mann,  wovon  mehr  als  die  Hälfte  auf
die  nicht  ungarischen  Länder  entfallen  und  fast  10.000  Menschen  beim
Salinenbetrieb  beschäftigt  sind.  Dampfmaschinen  sind  heute  beim  Bergbau
500  mit  13.000  Pferdekräften  beschäftigt.
Da  der  Bergbau  von  grosser  Wichtigkeit  für  Oesterreich,  ist  es
begreiflich,  dass  die  Staatsverwaltung  durch  verschiedene  Massregeln  denselben ­
  zu  fördern  sucht.  Es  bestehen  zur  Handhabung  des  Bergregals
eigene  Bergbehörden,  zur  Sicherstellung  des  Bergeigenthums  eigene  Berggerichte
  und  eigene  Bergbücher.  Die  Bergbehörden  verleihen  die  Schürflicenzen, ­
  sie  belehnen  die  Auffinder  der  Metalle  und  Mineralien  und
schützen  das  so  geschaffene  Eigenthum  ohne  Rücksicht  auf  die  Tiefe.  Die
Regierung  hat  besondere  Bergschulen  und  Berg-Akademien  errichtet  zur
Ausbildung  der  Bergbeamten  und  Verbreitung  bergmännischer  Kenntnisse.
Es  besteht  zur  Aufnahme  von  geologischen  Karten,  wodurch  die  Auffindung ­
  von  Metallen  und  Mineralien  erleichtert  wird,  die  geologische
Reichsanstalt  in  Wien.  Von  jeher  hat  die  Regierung  die  Errichtung  und
Bildung  von  Gewerkschaften,  d.  i.  Actien-Gesellschaften,  zur  Betreibung  des
Bergbaues  gestattet  und  befördert.  Sie  sind  heute  fast  in  allen  Gebieten
des  Bergbaues,  zumeist  aber  bei  Eisen-  und  Kohlengewerken,  ausgebildet.
Die  Zahl  der  verliehenen  Grubenmassen  betrug  1870  an  345,248.324
Quadratklafter,  wovon  187,586.387  Wiener  Quadratklafter  auf  Böhmen,
mehr  als  46,000.000  auf  Galizien,  fast  27,000.000  auf  Steiermark  und
24,000.000  auf  Mähren  entfallen.  Die  Summe  der  Tagmassen  betrug
10,374.338  Wiener  Quadratklafter.  Die  Zahl  der  Freischürfe  18.907.
            
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