INDISCHE ORNAMENTE.
In Teppichen und in Farbencombinationen von matterem Ton werden allgemein schwarze Contouren
zu diesem Zwecke angewendet.
Was die Indier immer, und in gewobenen Zeugen insbesondere, als Hauptzweck vor Augen zu haben
scheinen, ist: dass jedes Ornament sanft, nicht grell definirt erscheine; dass colorirte Gegenstände aus der
Entfernung angesehen einen neutralisirten Blüthenglanz darstellen; dass, bei jedem Schritt näher, neue
Schönheiten zum Vorschein kommen; und dass, bei ganz naher Besichtigung erst, die Mittel hervortreten
sollen, durch welche der Effect erzeugt worden ist.
Hierin befolgen sie übrigens nur die Principien der Verzierung der Oberflächen, die sich in der Archi
tektur der Araber und der Mauren kund geben. Der Zwickel eines maurischen Bogens und ein indischer
Shawl beruhen in ihrer Construcfcion auf denselben Principien.
Das Ornament No. 3, Tafel LIII., einem im India House befindlichen Buchdeckel entnommen, ist ein
prächtiges Muster gemalter Verzierung. Das Ebenmass der Hauptlinien des Musters, die verständige Ver-
theilung der Blumen über die ganze Oberfläche, und der ununterbrochene Zusammenhang der Linien der
Stämme, trotz der verwickelten Verschlingungen derselben, stellen dieses Ornament weit über jedes europäische
Werk derselben Art. An der innern Seite desselben Deckels, No. 2, Tafel LIV., verrathen die Ornamente
zwar eine minder conventioneile Behandlung, hingegen ist die äusserste Grenze in der Behandlung der
Blumen auf flacher Oberfläche, mit einer Genauigkeit beobachtet, die Staunen erregt. Dieser Buchdeckel
bietet uns das Muster zweier abgesonderten Stylarten zugleich dar, indem die Aussenseite, Tafel LIII., auf
arabische, und das Innere auf persische Weise behandelt ist.