ORNAMENTE DER HINDUS.
die sieh noch in Aegypten befinden, „nd anch die zuverlässigem, in letzterer Zeit her,usgebenen Darstel
lungen, haben endlich den hohen Werth ägyptischer Kunst über jeden Zweifel h,»ausgestellt, und derselben
die ihr gebührende Stellung in der Achtung des Publicums emgeraumt.
Etwas ähnliches müsste auch zu Gunsten der alten Architektur von Indien geschehen, und dann erst
wären wir im Stande mit besserer Sachkenntniss zu beurtheilen, ob und me weit diese einen Rang un er
den wirklichen schonen Künsten einzunehmen berechtigt sei, oder ob wir von den Hmdns glauben
müsse», dass sie nicht, verstanden als Steine auf einander zu häufen und sie mit grotesken und barbarischen
Bildhauereien zu verzieren. .... , ..
Wenn wir vom Parthenon, von den Tempeln zu Baibeck und Palmyra nur gemalte Ansichten besassen,
würden wir oh». Zaudern erklären, dass die Römer viel grössere Baukünstler waren .1, die Griechen Aber
die Contouren eines einzigen Gesimses vom Parthenon wurden ohne V eiteres dieses Urthei
laut verkünden, dass das Werk, welches wir betrachten, einer Nation angehört, welche den höchsten Gipfo
der Civilisation und Verfeinerung erreicht hatte.
Obgleich die Verzierung bloss die Gel.ülfin der Baukunst sein soll, und weder den Platz der arc i -
tonischen Bautheile usurpiren noch diese durch üeberladung verdecken darf, so bleibt sie doch, unter allen
Umständen, die belebende Seele eines architektonische» Denkmale,; denn in den Ornamenten allem offen
bart sieh die Sorgfalt und die Geistesanstrengung, die der Vollendung des Kunstwerkes gewidmet wurde.
Alle baulichen Theile eines Gebäudes können das Ergebnis, des Lineals und des Zirkels sein; m < en er-
zierungen einer Baute allein zeigt- es sich am deutlichsten ob der Architekt auch zugleich ein Künstler war.
Wer den Versuch über die Baukunst der Hindus von Ram Eaz« gelesen hat, kann sich des Gedankens
nicht erwehren, dass die Hindus einen höher» Grad de, Vollkommenheit in der Baukunst erreicht haben
müssen, ,1s die bisher veröffentlichten Werke zu rechtfertige» scheinen. In diesem Werke finden siel, nicht
nur genaue Regeln über die allgemeine Anordnung der Bauten, sondern auch die umständlichste» An
weisungen zur Abtheilung und Unterabtheilung ein«, jeden Ornamentes.
Eine der von Ram Raz aufgezeichneten Lehren verdient wohl hier angeführt zu werden; »Weh deu
ten,™, die ei» Hau, bewohnen, welches nicht nach den Verhältnissen der Symmetrie erbauet worden ist.
Daher sollen bei de, Aufführung eines Gebäudes alle einzelne Theile desselben, vom Grunde bis zum Dache
hinauf, gehörig beachtet werden.” . . TT ..... .
Unter den Anweisungen zur Erhaltung des richtigen Ebenmasse, in den verschiedenen Verhältnisse»
der Säulen, Basen und Kapitale, findet sich auch eine Regel, zur gehörigen Verjungung des Obern Durc,-
messers einer Säule im Verhältniss zum untern. . , ,
Ram Raz berichtet, dass die allgemeine, von den Baukünstlern der Hindus befolgte Regel dann bestand,
den Diameter an der Basis der Säule in eben» viele Theile abzutheilen, als es verschiedene Durchmesser m
der ganzen Höhe der Säule gab. Von diesem Theile» wurde immer einer abgezogen, und die übrigen bilde en
den Obern Durchmesser. Die Folge war natürlicherweise, dass eine Säule um so weniger nach oben hm
abnahm, je höher sie war, und dies geschah, weil die Verjüngung des Durchmessers in Säulen destelben
Verhältnisses ohnehin schon um so bedeutender erscheint, je höher die Säule ist.
Die besten Muster der Ornamente der Hindus, die uns zu Gebote standen, haben wir auf Tafel LVI. dar
gestellt. Diese sind einer Bildsäule der Surga, oder Sonne, entnommen, die sich im Hause der Asiatic Society
befindet, und gehören, wie man glaubt, einer zwischen dem fünften und dem neunten Jahrhundert fa encen
Epoche an. Diese Verzierungen sind meisterhaft ausgeführt, und verrathen unverkennbar griechischen
Einfluss. No. 8 stellt einen Lotos dar, den die Gottheit in der Hand hält; die Blume selbst ist, so zu sagen,
im Abriss vorgestellt, während die Knospen im Seitenaufriss erscheinen.
In den heiligen Büchern die von Ram Raz angeführt werden, befinden sich verschiedene Unterweisungen
zur Verzierung der verschiedenen architektonischen Glieder mit Lotosblumen und Juwelen, 1 eiche die
Haupt-Typen in der Verzierung der Simsgliederungen bilden.
* “TTistnn- of the Architeeture of the Hindus,” by Ram Raz. London, 1834.
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