KELTISCHE ORNAMENTE.
4. Juengere ANGELSAECHSISCHE Ornamente.— Ungefähr um die Mitte des zehnten Jahrhunderts
brachten einige Künstler, hei der Ausschmückung ihrer schönsten Manuscripte, einen andern Styl in Anwendung,
der nicht minder auffallend war als der der frühem Künstler, und ebenso sehr vom Style jedes
andern Landes abwich. Dieser bestand aus einer rahmenartigen Zeichnung, mit goldenen Stäben,'die die
ganze Seite umgaben, während in dem auf diese Weise umschlossenen Kaum der Titel und andere Miniaturmalereien
angebracht waren. Die Kähmen waren mit Blattwerk und Knospen verziert, aber auch hier
behauptete die Idee der verschlungenen Muster ihren Einfluss, indem die Blätter und Stämme mit einander
und auch mit den Stäben verwoben waren; ausserdem waren die Winkel mit zierlichen Kreisen, Vierecken,
Rauten und Vierpässen geschmückt. Im Süden von England erreichte, wie es scheint, dieser Ornamentationsstyl
seine höchste Vollendung, und die prächtigsten Beispiele dieser Verzierungsweise wurden zu Winchester,
im Kloster des heiligen Aethelwold, während der zweiten Hälfte des zehnten Jahrhunderts verfertigt.
Das prachtvollste dieser Exemplare ist wohl das in der Archceologia vollständig illustrirte Benedictionale des
Herzogs von Devon shire; doch kommen zwei andere in der Bibliothek zu Kouen verwahrte Exemplare,
diesem Prachtwerke beinahe gleich, und dasselbe kann vom Evangeliarium, in der Bibliothek von Trinity
College, Cambridge, behauptet werden. Das Evangeliarium des Königs Canute, im brittischen Museum,
ist ein Beispiel derselben Art, und hat uns die Fig. 20, Tafel LXV., geliefert.
Es unterliegt keinem Zweifel, dass die grossen Manuscripte der fränkischen Schulen Karls des Grossen,
die mit Blattwerk geschmückt waren, unsern spätem angelsächsischen Künstlern ursprünglich die Idee eingegeben
haben, Blattwerk als Schmuck in ihre Verzierungen aufzunehmen.
J. 0. WESTWOOD.
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