ORNAMENTE DER RENAISSANCE.
ersten im reinen Eenaissance-Styl zuEom ausgeführtenGebäude, wir in unsere Holzschnitten einige elegante
Muster darstellen) und der grosse Eafael selbst hielten es nicht unter ihrer Würde den Bildhauern Zeich
nungen zu Ornamenten zu liefern, die den reinsten Geschmack und die reichste Fülle der Phantasie ver-
riethen. Zu welcher Vollkommenheit dieser letzt-genannte Künstler es in diesem Zweige der Kunst gebracht
hat, wird aus den berühmten hölzernen Chorstühlen klar, die sich im Chor der Kirche San Pietro dei
Casinensi befinden. Die Schnitzerei derselben wurde von Stefano da Bergamo ausgeführt, der sich in seiner
Arbeit der herrlichen Compositionen des Eafael würdig zeigte.
Die merkwürdigen Bauten des Doms zu Mailand und der Certosa von Pavia schufen eine eigene und
wichtige Schule, zu deren Anhängern, nebst andern Künstlern, Fusina, Solari, Agrati, Amadeo und Sacchi
gehören. Das Bildhauertalent war in jenen Gegenden lange einheimisch gewesen, und die genannten
Künstler belebten, m der vollendetsten Gestalt, die überlieferten Traditionen der Maestri Comaschi, oder
Freimaurer von Como, deren geniale Kunst so manche, der berühmtesten Bauten des Mittelalters mit der
höchsten Grazie ausgeschmückt hatte. Unsere höchste Bewunderung gebührt jedoch unstreitig dem
Agostino Busti, besser bekannt unter dem Namen Bambaja, und seinem Zögling Brambilla, deren herrliche
Arabesken an der Certosa erstaunliche Beispiele meisterhafter Ausführug sind. Unsere Holzschnitte, dem
Hochaltar der Piscina entnommen, liefern ein Beispiel des allgemeinen Styles der pavischen Arabesken.
In Venedig glänzte unter den vorzüglichsten Meistern, die Familie der Lombardi (Pietro, Tullio, Guilio,
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Ornamente von der
Piscina am Hochaltar
der Certosa, Pavia.
Theile von Pilastern der Kirche Sta. Maria dci Miracoli, Venedig.
Sante und Antonio), der diese Stadt ihre berühmtesten Denkmäler verdankt. Diesen folgten die Künstler
Eiccio, Bernardo und Domenico di Mantua, und viele andere Bildhauer, deren Namen jedoch von dem des
grossen Jacopo Sansovino gänzlich verdunkelt wurden. Zu Lucca behauptete Matteo Civitale (geh. 1435,
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