ORNAMENTE DER RENAISSANCE.
Gegen Ende des sechzehnten Jahrhunderts fing diese Kunst an in Verfall zu gerathen, und die zahl
reichen Glasmaler fanden keine Beschäftigung, daher der berühmte Bernard de Pallissy, der sich zur Glas
malerei herangebildet hatte, diese Kunst aufgab, um sich einer andern schwierigem zu widmen, in der er
sich einen hohen Euf erwarb. Von ihm rühren die wunderschönen Grisailles her, welche die Geschichte
des Cupid und der Psyche, nach den Zeichnungen Bafaels, darstellen, und vormals das Schloss Ecouen,
Besidenz seines grossen Gönners, des Konstabels Montmorency, schmückten. -—
Die Benaissance drang zwar frühzeitig in Deutschland ein, fasste aber nur langsam Wurzel im Herzen des
Volkes, bis die immer zunehmende Anzahl von Büchern und Kupferstichen dieselbe endlich allgemein ver
breitete. Künstler aus Deutschland und Flandern strömten nach Italien um da unter den grossen Meistern
zu studiren. Unter diesen erwähnen wir Boger de Bruges (gest. in 1464), der einen grossen Theil seines
Lebens in Italien hinbrachte, Hemskerk und Albrecht Dürer, die einen grossen Einfluss auf ihre Landsleute
ausübten. Dieser letztgenannte Künstler verräth die richtigste Auffassung des Wesens der italienischen
Zeichnung in seinen verschiedenartigen Werken, die bald das gothische Gepräge seines Meisters Wohlge-
muth an sich tragen, bald wieder in der rafaelischen Einfachheit des Marc’Antonio aufgefasst waren.
Seine Arbeiten dieser letztem Art waren es vorzüglich, die die Grundlage zur Bildung jenes Geschmackes
legten, der es Männern wie Peter Vischer möglich machte, die plastische Kunst Italiens in Deutschland
zur Mode zu machen. Doch war die Benaissance in Deutschland, selbst in ihrer glänzendsten Epoche, nur
ungeläutert. Das Streben nach Schwierigkeiten der Handarbeit vielmehr als nach Schwierigkeiten der
geistigen Auffassung, erzeugte bald einen verwickelten, verzerrten Styl, und Nestelverzierungen, juwelenfor-
mige Ornamente und verschlungene Ungeheuer, die mehr Lebhaftigkeit als Grazie verriethen, traten an die
Stelle der zarten Eleganz der früh-italienischen und französischen Arabesken.
Arabesk von Theodor de Bry, einem der sogenannten “Kleinmeister” Deutschlands (1598) im italienischen Style, aber mit Einführung
von Nestelver/.ierungen, Caricaturen, und juwelenförmigen Ornamenten.
Wenden wir uns nun von den schönen Künsten zu den Gewerbskünsten um dem Einflüsse nachzufor
schen, den die Benaissance auf die Musterzeichnungen der Fabrikenerzeugnisse der Zeit ausübte. Die
Geschichte der Ceramik und der Glasurproducte ist, in Folge der unvergänglichen und unveränderlichen
Natur dieser Erzeugnisse, ebenso deutlich als vollständig, daher wir uns veranlasst fühlten, drei Tafeln,
LXXVIII., LXXIX. und LXXX., den Illustrationen dieser Producte zu widmen. Die meisten Beispiele
haben wir den “Majoliken” Italiens entlehnt, über deren Anfertigung und Verzierungsweise wir einige
Bemerkungen machen wollen.
123