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MAK

Full text : Die Ausstellung oesterreichischer Kunstgewerbe 4. November 1871 - 4. Februar 1872

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XX.
Eingelegte  und  Mosaik-Arbeiten.
(Schmuckkasten  und  Cabinet'  im  Aufträge  des  allerhöchsten  Hofes.  —  J.  Schalhas.  —
F.  Schönthaler.  —  J.  Leimer.  —  B.  Ludwig.  —  V.  Palhuber.  —  Wiesauer.  —  J.  Schandl.  —
H.  Trinkl.  —  R.  Kleihonz  und  Grund.  —  Ohrfandl.  —  Baron  Löwenstern.  —  A.  Klein.)
Von  eingelegten  Arbeiten  sind  solche  mit  Elfenbein,  Holz,  Metall
(Tauschirung  und  Boule),  Stein  und  Leder  auf  der  Ausstellung  vertreten.
Schon  diese  Aufzählung  gibt  Zeugniss  von  dem  Fortschritte,  welchen  die
Tischlerei  der  neuesten  Aera  gegen  die  vor  wenigen  Jahrzehnten  genommen ­
  hat;  die  Anwendung  von  Elfenbeineinlagen  war  etwas  seltenes,  Holzintarsien ­
  durch  das  schlechteste  Genre  vertreten,  welches  in  der  Fläche
unmögliche  Dinge  darstellen  wollte,  Fernsichten,  Perspectiven;  Tauschirung ­
  ist  seit  Jahrhunderten  schier  erst  neu  angewendet  worden,  die  Bouletechnik ­
  aber  ringt  sich  noch  mühevoll  aus  dem  Banne  des  Zopfes,  dessen
Hätschelkind  sie  gewesen,  los.  Beinahe  alle  die  genannten  Arten  von
Einlagen  finden  sich  auf  der  Ausstellung  an  Objecten  der  Möbelschreinerei
vor,  sie  bilden  deren  zweite  Gattung  von  Mitteln  der  Decoration,  mit
denen  sie  malerisch  wirkt,  wie  Schnitzerei  und  Drechslerei  ihr  zur  Erreichung ­
  plastischer  Wirkungen  als  Gehilfen  zur  Seite  stehen.  Aus  der
Natur  der  Sache  folgt,  dass  die  eingelegten  Ornamente  in  der  Fläche
gedacht  sein  müssen,  ein  Hauptgrundsatz  des  Styles,  welchen  wir  an  den
ausgestellten  Arbeiten  mit  Befriedigung  fast  durchgehends  verständig  beachtet ­
  erblicken.  Nicht  nur,  dass  die  Darstellung  von  Architekturen  etc.
seltener  vorkömmt,  man  ist  so  weit,  dass  auch  dem  Ornament  nicht
mehr  scheinbare  Körperlichkeit  durch  Schattenpartien  und  Modellirung  in
der  Zeichnung  verliehen  wird,  wie  die  Barocke  es,  von  den  aufgemalten
Stuckoreliefs  des  Plafonds  bis  auf  das  kleinste  Schnörkelornament  in  der
Vignette  des  Buchdruckers,  eingeführt  hatte;  sondern  es  entstehen  in  der
Fläche  für  die  Fläche  ersonnene  Compositionen,  die  nicht  wie  jene  barocken ­
  Schnörkel  nur  räumlich  genommen  eingelegt,  für’s  Auge  aber  wie
Reliefs  hervorstehend  sind,  Entwürfe,  bei  deren  Vollendung  die  Meister
der  Gegenwart  hauptsächlich  bei  den  Italienern  der  Frührenaissance,  auch
bei  den  deutschen  Kleinmeistern  in  die  Schule  gingen.
Das  Bedeutendste,  was  die  Ausstellung  im  Fache  der  eingelegten
Arbeiten  in  Elfenbein  enthält,  sind  die  Verkleidungen  der  Schubfächer  an
dem  im  Auftrag  des  Hofes  gefertigten  Schmuckkasten;  nach  Zeichnung
des  Architekten  Prof.  Josef  Storck  gravirt  von  Schwerdtner  und
Bader,  der  Elfenbeinschnitt  von  Panigl.  Die  Zeichnung  der  einzelnen
Felder  hat  die  herrlichen  Compositionen  zu  Vorbildern,  welchen  wir  auf  Aldegrever’s
  kleinen  Blättern  begegnen  und  von  diesem  grossen  Meister  des
deutschen  Cinquecento  zur  Benützung  für  das  Kunsthandwerk,  Intarsiaarbeiten, ­
  Goldschmiedverzierungen,  Aetzungen  und  dergleichen  erfunden
wurden.;  Sie  sind  seit  drei  Jahrhunderten  wohl  zum  ersten  Male  wieder  an-
            
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