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Full text : Die Ausstellung oesterreichischer Kunstgewerbe 4. November 1871 - 4. Februar 1872

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wie  sie  hier  aus  dem  vorigen  Jahrhundert  noch  erhalten  erscheinen,  zu
manchen  Effecten  glücklich  verwendet  werden  konnten.  Barocke  Blumengewinde ­
  und  Schnörkel  hat  auch  ein  Tisch  von  Johann  S  c  h  a  n  d  1  in
Brünn,  dabei  ist  der  Zusammenstimmung  der  Farben  jedoch  eine  angenehme ­
  Gesammtwirkung  nicht  abzusprechen.  Hans  Trink  l’s  zwei  kleine
Tischchen  endlich  vertreten  die  Neuzeit  mit  Blumen  und  Gartengeräthschaften
  naturalistischer  Auffassung  bei  guter  Ornamentation.
Ein  dem  Kranze  der  gegenwärtigen  industriellen  Techniken  bisher
völlig  mangelnder  Zweig  ist  die  Kunst,  Stahl-  und  Eisenplatten  zu  graviren
  und  in  die  so  entstandenen  Vertiefungen  Plättchen  edlen  Metalles,
Gold  oder  Silber,  einzuschlagen,  die  Tauschirung  oder  Damascinirung,
ä  la  gemina.'  [Ein  Kind  des  Morgenlandes,  fand  sie  im  Mittelalter  bereits
Eingang  in  unseren  Bezirken,  hatte  sich  daselbst  aber  auch  aus  der
eigenen  Vorzeit  sicherlich  erhalten,  da  älteste  germanisch-celtische  Schmuckarbeiten ­
  sie  nicht  minder  zeigen,  wie  heute  noch  zahlreiche  Volksstämme
einer  primitiven  Cultur,  Südrussen,  asiatische  Nomadenstämme,  in  dem  Genre
treffliches  hervorbringen.  Die  Glanzperiode  der  Tauschirung  im  Occident
ist  bekanntlich  jene  Zeit  der  Renaissance,  in  welcher  sie  unter  den  kunstreichen ­
  Händen  spanischer,  italienischer  und  deutscher  Harnischmacher
und  Schwertfeger  zur  Verzierung  kostbarer  Prunkwaffen  verwendet  wurde.
Damals  fertigte  man  aber  auch  Cassetten,  Geld-  und  Juwelenschreine  von
damascirtem  Eisen  und  eine  solche  Arbeit  schwebte  den  Künstlern  vor,
welche  den  eigentlichen  Tresor  des  Cabinetes  ausführten,  welches  ebenfalls ­
  zu  den  im  Auftrag  des  Hofes  gefertigten  kunstindustriellen  Gegenständen ­
  gehört.  Den  Entwurf  zeichnete  Valentin  Teirich,  Professor  an
der  Kunstgewerbeschule.  Die  Ausführung  rührt  her  von  der  Firma
Ratzersdorfer  in  Wien,  unter  Leitung  von  Wrübel  ausgeführt  durch
Czellot  und  Dostal,  die  Eisenarbeit  von  Wertheim  &  Comp.,  unter
Leitung  von  Schult.  Erfreulich  ist  es,  zu  sehen,  wie  der  Künstler,  welcher ­
  in  letzter  Zeit  durch  die  Herausgabe  seiner  Intarsien  grossen  Einfluss ­
  dieser  herrlichen  Schöpfungen  der  Renaissance  auf  seine  Arbeiten
empfangen  hat,  hier  doch  wieder,  wo  das  Material  einen  andern  Styl
erforderte,  sowohl  dieser  Anforderung  zu  genügen,  als  die  förderliche  Einwirkung ­
  seiner  Studien  an  den  Intarsien  zu  verwerthen  wusste.  Nachdem
jetzt  die  Technik  des  Tauschirens  seit  so  langer  Zeit  wieder  praktisch
verwendet  wurde,  ist  es  zugleich  ein  grosser  Vortheil,  dass  es  an  einem
Werke  statthat,  an  welchem  wir  nicht  das  Wiederaufleben  dieser  alten
Technik  allein  zu  loben  haben,  sondern  dieselbe  auch  schon  in  einer
Form  an’s  Licht  tritt,  welche  den  einstigen  Leistungen  ebenbürtig,  stylrichtig ­
  und  gefällig  zugleich  heissen  darf.  —  Eine  anerkennenswerthe  Arbeit
in  Eisen  ist  die  kleine  Chatouille  des  Schlossers  J.  Dozkalik  in  Wien.
An  den  Arbeiten  von  Robert  Kleihonz  in  Wien  —Cassetten,  ein
Kreuz,  Clavierschild  etc.  —  und  an  dem  von  Grund  gefertigten  Piano
finden  wir  auch  Einlagen  in  Boulearbeit,  mit  Metall,  Elfenbein  und  Perl-
            
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